Wir entdecken Montenegro – von der Küste bis nach Podgorica

Wir fahren von Shiroka zum Grenzübergang Muriqan – Sukobin. Es sind nicht viele Fahrzeuge vor uns und wir kommen gut voran. Nachdem der Grenzbeamte unsere Pässe und Fahrzeugpapiere geholt hat, geht ein anderer mit einem Hund um uns herum. Dabei fällt uns auf, dass hinten rechts wenig Luft drauf ist und als wir aussteigen, hören wir das böse Zischen. Wieder ein platter Reifen. Wir versuchen dem Polizisten zu erklären, dass wir so nicht weiterfahren können, aber er verweist uns an eine Werkstatt etwa 15 km hinter der Grenze. Wir wollen es natürlich selbst machen und pumpen wieder Luft drauf. Es scheint glücklicherweise kein großes Loch zu sein. Weil wir das Ganze nicht direkt an der Grenzstation machen wollen, fahren wir nach etwa 2 km an einem geschlossenen Restaurant auf den Parkplatz und machen uns ans Werk.

Der Grenzübertritt selbst war sehr unkompliziert. Weil wir länger als 15 Tage in Albanien waren, konnten wir ohne einen Test oder andere Nachweise einreisen.

Radwechsel kurz hinter der Grenze
Radwechsel in Montenegro
Radwechsel in Montenegro

Wir fahren in die erste größere Stadt, nach Bar (Бар), um uns ein Datenkarte zu kaufen. Wir haben im Voraus schon den Tarif von Telenor empfohlen bekommen. Mit dem Tourist-Pack haben wir 500 GB für entweder 30 oder 15 Tage zur Verfügung (15 Tage kosten 10 Euro / 30 Tage kosten 15 Euro). Ein tolles Angebot das hier aber auch andere Anbieter haben. Das Bezahlen ist in Montenegro wieder etwas einfacher für uns. Einerseits weil das Zahlen mit Karte wieder möglich ist und weil wir andererseits nicht mehr umrechnen müssen. Denn obwohl Montenegro nicht in der EU und auch nicht in der Währungsunion ist, wird dort der Euro genutzt. Die eigene Währung, der Dinar de jure, wurde nur noch bis 2003 benutzt.

Nicht weit außerhalb der Stadt fahren wir auf einen Parkplatz am Cape Kricevac (Рт Кричевац). Dort treffen wir uns wieder mit ein paar Freunden. Auf der Suche nach einem schönen Stellplatz mit Aussicht und ebenem Untergrund fahren wir einen vom Regen ausgespülten Hügel hinunter und durch eine Matschpfütze. Bei einer grandiosen Aussicht auf Bar und in Gesellschaft läuft der Schlauchwechsel auch wie von selbst.

Um uns herum sind überall kleine Strände und an den Felsen macht das Schnorcheln viel Spaß. Als wir am Abend zusammensitzen kommt ein Montenegriner zu uns und erzählt ein bisschen was über die Gegend und was wir uns auf jeden Fall anschauen sollten. Solche Tipps sind immer wieder die besten.

der Schlauch wird gewechselt

Die Küste in Montenegro ist zwar relativ bebaut, aber es finden sich trotzdem schöne Parkplätze, die außerhalb der Saison nicht so stark besucht sind. Wir fahren zum Luchica Beach (Lučica Plaža) der am Rand von Petrovac na moru (Петровац) liegt. Hier treffen wir auch Mari und Fabi (Schüttelberts Reisen https://leise-reise.de/ ) wieder. Die beiden fahren einen altes Hymer-mobil und reisen damit durch Europa.

Von hier aus erkunden wir zusammen den kleinen Küstenort und machen eine Wanderung zum verlassenen Hotel AS. Auf dem Weg durch den Ort kommen wir an der Promenade mit vielen Cafés und Restaurants vorbei. In der Hauptsaison ist hier wohl viel los. An der kleinen Burg Kastio castle (Кастио замак) befindet sich ein Restaurant und folgt man einer Treppe am Ende des Piers kommt man schließlich zu einem tollen Aussichtspunkt, von dem aus die Klippen und die vorgelagerten Inseln zu sehen sind. Der Wanderweg führt uns weiter an der Küste entlang und auch durch einen langen Tunnel, der nur teilweise beleuchtet ist. Das Hotel ist ein riesiges Gebäude. Die Baukräne stehen noch immer so als ob die Bauarbeiten gleich weitergehen sollen. Bei genauerem Hinsehen sieht man allerdings, dass diese wirklich schon länger stillstehen. Wir erkunden das Gebäude und stoßen auf einen Barbereich und das nicht fertiggestellt Amphitheater.

am Strand von Petrovac na moru
am Strand von Petrovac na moru
Klettern in Petrovac na moru
Klettern in Petrovac na moru

Wir fahren in Richtung Norden und kurz vor Budva (Будва) biegen wir in die Berge ab. Der Anstieg ist sehr steil und zieht sich ganz schön. In der Nähe der Festung Kosmač (Космач) haben wir einen Kletterspot gefunden und wollen uns dort mal umschauen. Der Felsen ist direkt an der alten Straße, die jetzt durch einen Tunnel ersetzt wurde. Leider kommt man hier nicht mehr mit dem Fahrzeug hin, da die eine Seite der Straße abgerissen und die andere durch Steine versperrt wurde. Deshalb suchen wir uns einen Parkplatz in der Nähe der Festung und erkunden erstmal diese.

Am Morgen treffen wir uns mit Freunden zum Klettern. Wir parken an einer Freifläche direkt an der Hauptstraße und gehen über den neu gebauten Tunnel zum Felsen. Von hier aus können wir ganz Budva sehen. Die verschiedenen Routen sind sehr gut gekennzeichnet und wegen der verschiedenen Schwierigkeitsgrade haben wir alle Spaß beim Klettern. Bei etwa 26 Grad wird es allerdings schnell sehr anstrengend.

Klettern bei Budva

Auf dem Weg zum Nationalpark Skutarisee (Liqeni i shkodrës) fahren wir an Cetinje (Цетиње) vorbei und folgen der M10 weiter bis wir zur Lipa Cave abbiegen. Die Höhle ist eines der größten Höhlen Denkmäler in Montenegro mit einem insgesamt 2,5 km langen System mit Gängen und Hallen. Auf der Internetseite haben wir gelesen, dass die Höhle wegen der aktuellen Situation noch geschlossen ist, aber wir wollen trotzdem vorbeifahren und vielleicht einen Blick erhaschen. Leider stehen wir vor verschlossenen Toren.

Wir folgen weiter dem Panoramaweg und kommen schließlich in den kleinen Ort Rijeka Crnojevica. Die Straßen sind wie überall nicht gerade breit und weil auch noch Wochenende und Feiertag ist sind viele Menschen unterwegs. Als dann Gegenverkehr kommt, müssen wir auf die vielen vorstehenden Balkone und Schilder aufpassen. Die Restaurants und Cafés sind gut besucht und auch am Ufer sitzen viele Leute und machen ein Picknick mit lauter Musik. Wir füllen an einem öffentlichen Wasserhahn unseren Tank mal wieder auf und fahren weiter in den Nationalpark. Hier befindet sich das größte Vogelreservat Europas. Es ist nicht ganz einfach einen schönen Platz zu finden, aber wir folgen einer kleinen, schmalen Straße zum See und kommen zu einem wunderschönen, abgelegenen Ort mit einer Bootslipanlage. Wir stellen uns so an den Rand, dass wir niemanden stören und genießen die Ruhe (mit vielen Vogelstimmen) in diesem kleinen Paradies.

Ein paar Leute kommen tagsüber vorbei und bringen kleine Fischerboote ins Wasser. Mit einigen kommen wir ins Gespräch und bekommen wieder Tipps für die weitere Reise. Als es am Morgen dann an der Tür klopft, erschrecken wir im ersten Moment, aber es ist ein Fischer, der uns gerne etwas von seinem Fang schenken möchte.

Parkplatz am See
See von oben
Fischerboote

Nach ein paar Tagen in dieser Idylle fahren wir den schmalen Weg zurück und dann weiter in Richtung Hauptstadt. Podgorica (Подгорица) hat etwa 150.000 Einwohner und ist damit auch die größte Stadt in Montenegro. Das ganze Land hat insgesamt um die 620.000 Einwohner und ist flächenmäßig sogar kleiner als Schleswig-Holstein. Weil wir am orthodoxen Ostermontag durch die Stadt fahren und alle Geschäfte geschlossen sind, kommen wir sehr gut durch. Wir fahren am Fluss Cijevna etwa 15 km weiter in Richtung Osten zu einem Klettergebiet. Die Felswände und der Fluss sind atemberaubend. Wir erkunden die Gegend und die Wände zu Fuß. Hier gibt es wieder Routen mit allen Schwierigkeitsgraden. Am Morgen kommen wir dann mit unseren Klettersachen zurück und klettern einige tolle Routen.

Kletterspot am Fluss Cijevna

Der nächste Kletterspot liegt an der E80 am Fluss Morača (Морача) im nördlichen Randgebiet von Podgorica. Der Weg zur Parkbuchte ist sehr schmal und durch den Tunnel am Ende des Weges (Höhe etwa 3,10 m) kommen wir auch nicht weiter. Es ist Platz für etwa 3 Fahrzeuge direkt neben den Bahnschienen. Da die Wände in der Sonne liegen und die Temperaturen in der Mittagszeit sehr hoch sind, wollen wir gerne am Morgen klettern gehen. Deshalb machen wir uns erstmal auf die Suche nach dem Wanderweg zum Felsen. Die zahlreichen Routen sehen sehr interessant aus. Allerdings haben die meisten Routen Schwierigkeitsgrade ab 6+ und nur ein paar liegen im leichteren Bereich. Nachts und auch am Morgen regnet es noch und der Stellplatz ist auch nicht so wirklich gut. Wir haben ja gehofft, dass die Schienen nicht mehr genutzt werden, aber leider fahren doch recht regelmäßig Züge vorbei. Also fahren wir weiter. Immer am Morača entlang und schließlich unter der großen Moračabrücke durch. Der höchste der fünf Pfeiler misst fast 160 m. Nach etwa 13 km biegen wir von der Hauptstraße ab und fahren runter ins Flussbett. Hier ist ein schöner Platz, der allerdings nicht immer erreichbar ist. Wenn der Wasserspiegel höher ist als jetzt, steht hier alles unter Wasser. Die kleinen aufgestauten Becken laden zum Baden ein. Den Abend genießen wir draußen bei einem sternenklaren Himmel und können das erste Mal die Perlenkette aus Satelliten sehen.

Stellplatz im Flussbett

2 Kommentare

  1. Ein sehr informativer Bericht . Wieder so gut geschrieben das man am liebsten sofort durchstarten möchte .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.