Es geht in den Süden von Albanien

Nach langer Zeit haben wir es wieder geschafft einen Artikel zu schreiben. Die Berichte von Estland bis Griechenland werden wir noch nachholen.

Wir werden früh von Vogelgezwitscher geweckt und als wir rausschauen freuen wir uns über die Aussicht auf die schneebedeckten Berge und Ioannina. Außerdem können wir viele Vögel beobachten. Ein paar Haubentaucher und Blässhühner sind unterwegs und Möwen fischen direkt vor unserer Haustür. Und dann taucht auch noch ein Pelikan auf. Wir sind hin und weg.

Vogelbeobachtung vom Bett aus
Pelikan am Pamvotida-See bei Ioannina

Nach dem Frühstück fahren wir los in Richtung Grenzübergang Kakavie. Bis dort sind es nur noch etwa 80 km und zu einem Campingplatz in Gjirokaster dann nochmal 25 km. Auch während der Fahrt um den Pamvotida-See können wir einige Vögel beobachten, Gänse, Wiedehopfe und noch viele andere. Die Zeit vergeht schnell und dann sind wir plötzlich schon in Sichtweite des Grenzübergangs. Nach über 5 Monaten in Griechenland ein komisches Gefühl.

Wir fahren auf der griechischen Seite an einen Schalter. Dort werden nur kurz unsere Pässe kontrolliert und jemand vom Zoll überprüft die Fahrzeugpapiere. Er freut sich über das Fahrzeug und verabschiedet uns mit einem Lächeln in Richtung Albanien. 

Ein paar hundert Meter weiter kommen wir dann zur albanischen Grenze. Wir reihen uns erst bei den normalen Fahrzeugen ein, werden dann aber in die Reihe für LKW geschickt. Als der Kontrolleur an der PKW-Schlange keine Autos zum Kontrollieren hat, winkt er uns rüber. Kaum fahren wir rüber, kommt aber ein Anderer und will uns wieder rüber schicken. Es ist wie immer etwas chaotisch, aber es klappt dann doch alles sehr reibungslos.

Nach insgesamt 10 Minuten haben wir alles erledigt und das Abenteuer Albanien kann beginnen. 

Schon kurz hinter der Grenze sehen wir die ersten Bunker. Es wird geschätzt, dass es in ganz Albanien zwischen 200.000 und 750.000 Bunker gibt, je nachdem wen man fragt. Wir fahren zum Campingplatz direkt in Gjirokaster. Es ist ein kleiner Platz am Rand der Stadt und zu Fuß ist man in 15 Minuten in der Innenstadt. Für eine Nacht kostet der Platz 500 ALL (ca. 4 Euro)  inkl. Strom.

Wir gehen in die Stadt und sind im ersten Moment etwas überfordert von den vielen Menschen. Die Polizei ist hier sehr präsent und regelt den chaotischen Verkehr. Wir können alles schnell erledigen. Weil in Albanien fast ausschließlich mit Bargeld gezahlt wird, gehen wir zu einer der vielen Banken und können problemlos Geld abheben. Ein paar Meter weiter ist auch ein Vodafone Shop, von denen es hier aber so einige gibt, und kaufen uns eine Prepaid Karte mit 20 GB für 1.500 ALL (ca. 12 €). Weil es mit der Sprache nicht ganz so leicht für uns ist, wird uns bei der Aktivierung geholfen. 

Beim Erkunden der Altstadt kommen wir durch viele schmale und steile Gassen. Die Steigungen sind zu Fuß schon eine echte Herausforderung und wir können uns nicht so richtig vorstellen wie Fahrzeuge hier im Winter oder bei Nässe fahren. 

Am Abend gehen wir im Restaurant am Campingplatz essen. Das ist das erste Mal nach Riga, dass wir das wieder machen können. Wir bestellen zwar nur Kleinigkeiten, aber es ist alles reichlich. Später kommt dann auch der Betreiber dazu und lädt uns auf einen Raki ein. Außerdem erklärt er uns, dass der Campingplatz außerhalb der Saison kostenlos ist, weil nicht der komplette Service zur Verfügung gestellt wird. Wir müssten also nur für den Strom bezahlen.

Strasse nach Gjirokaster
Straße nach Gjirokaster
Strasse in Gjirokaster
Straße in Gjirokaster

Unser nächstes Ziel ist das Blue Eye (Syri i Kaltër). Wir fahren durch die Berge und können den See schon von Weitem sehen. Der Weg ist durch Regenfälle sehr ausgewaschen und wir werden ein bisschen durchgeschüttelt. Gerade deshalb sind wir sehr verwundert, dass uns normale PKW entgegen kommen. Am Blue Eye angekommen erkunden wir die Umgebung. Die Bars sind hier alle noch geschlossen, aber es wird schon alles für die Saison vorbereitet. 

Das klare Wasser leuchtet in der Sonne in einem wunderschönen Blau. Die Quelle ist die wasserreichste des Landes aus der 6 m³/s herausströmen. Die Tiefe der Quelle des konstant 12,75 °C warmen Wassers und auch der Grund dafür, dass sie im Sommer 2004 vorübergehend ausgetrocknet war, konnte bisher noch nicht ergründet werden. 

Warnschild am Blue Eye
Quelle Blue Eye

Auf der Suche nach einem Supermarkt fahren wir weiter nach Saranda. Allerdings kommen wir nur an sehr kleinen Märkten ohne Parkmöglichkeiten vorbei. An einer nicht so stark befahrenen Straße halten wir an und gehen in einen dieser Märkte. Die Auswahl ist nicht groß, aber an sich gibt es alles was man benötigt. An einer Tankstelle an der auf dem Schild zu erkennen ist, dass man eigentlich mit Karte zahlen kann, fragen wir nach. Der Tankwart erklärt uns aber, dass das fast an keiner Tankstelle tatsächlich funktioniert. Bargeld ist hier also wirklich notwendig.

Auf einer kleinen Halbinsel an der Burg von Porto Palermo (Kalaja e Porto Palermos) finden wir wieder einen schönen Stellplatz mit kleinen Badestrand. Die Festung ist ein sehr bekanntes Ziel, weshalb viele Tagesbesucher vorbeikommen. Der Betreuer der Burg erzählt uns, dass es in der Hauptsaison über 1.000 Besucher pro Tag sein sollen. Ein Besichtigung lohnt sich auf jeden Fall. Pro Person zahlen wir 300 ALL (ca. 2,50 Euro) und bekommen eine tolle Führung. Durch die dunklen Gänge kommen wir in die verschiedenen Räume, wie dem Truppenraum und dem Schlafzimmer von Ali Pascha. Außerdem führt eine Treppe auf das Dach, von wo aus man einen guten Ausblick auf die Bucht hat und erkennen kann, dass der Grundriss der Festung ist dreieckig. Zum Abschluss der Führung bekommen wir sogar noch ein traditionelles Lied vorgesungen, das durch den gesamten Raum klingt.

Burg von Porto Palermo

Nicht weit weg von der Burg befindet sich am nördlichen Ende der Bucht eine ehemalige U-Boot-Basis. Der Wanderweg dorthin führt zwar direkt an der Straße entlang, aber wir haben trotzdem eine tolle Aussicht. Der Eingang zum Bunker ist vom Meer aus nicht zu sehen und ist nur von der Straße wirklich gut sichtbar. Der Tunnel selbst soll über 650 m lang sein. Leider kommen wir nicht dichter heran, denn hier ist militärisches Sperrgebiet. Von den Seiten würde man entlang der Trampelpfade zwar auf das Gelände kommen, was aber keine besonders gute Idee ist, weil es von bewaffneten Marine-Soldaten bewacht wird.

U-Boot-Bunker
U-Boot-Bunker

In Albanien gibt es nicht sehr viele frei zugängliche Strände. Der Gjipe Beach (Plazhi i Gjipes) ist wohl einer der schönsten. Im Gjipe Canyon direkt hinter dem Strand ist außerdem ein tolles Klettergebiet, was es für uns noch attraktiver macht. Der Weg ist für normale Fahrzeuge allerdings nicht befahrbar und weil wir mit Freunden unterwegs sind, bleiben wir  auf dem Parkplatz oberhalb des Strandes stehen. Für Peppi wäre es natürlich kein Problem gewesen. Wir gehen den holprigen Weg entlang und kommen nach 20 Minuten unten an. Nach ein paar Boulder-Versuchen lassen wir den Tag am Strand ausklingen. Das Wetter in den nächsten Tagen ist sehr gut und so können wir eine Tour durch den Canyon machen und einige der dortigen Kletterrouten testen. In der Sonne wird es aber schnell anstrengend.

Oberhalb des Canyons führt ein Panorama-Wanderweg entlang. An den verschiedenen Plattformen haben wir eine tolle Aussicht auf die Felswände und auch auf den Strand. Noch hat auch hier die Saison nicht angefangen, denn von Bildern wissen wir, dass der komplette Strand mit Liegen und Schirmen vollgestellt wird.

Panorama Gjipe Beach
Panorama Gjipe Beach
Gjipe Beach
Camping Gjipe Beach

Am letzten Abend bevor wir weiterfahren wollen, klopft es recht spät an unserer Tür. Eine Frau möchte von uns Parkgebühren haben. Eigentlich ist der Parkplatz nämlich bewacht und kostet am Tag um 300 ALL. Weil wir vor Saisonstart hier sind, ist das Häuschen aber noch nicht besetzt. Sie verlangt von uns 500 ALL. Wir versuchen so viel albanisches Geld wie möglich zusammenzukratzen, aber dann will sie plötzlich 1.500 ALL haben. Wir versuchen zu erklären, dass wir nicht genug haben, weil wir vorher einkaufen waren. Als sie nach Euros fragt, geben wir ihr, neben unseren ganzen ALL auch noch 5 Euro. Weil es ihr trotzdem nicht genug ist, erklärt sie uns, dass wir den Platz verlassen müssen. Als dann noch andere Fahrzeuge kommen, ist sie aber recht schnell verschwunden. Wir sind uns nach der Situation etwas unsicher und fahren trotzdem weiter. Auf dem Vorplatz eines kleinen Klosters, das nur einige 100m entfernt ist, verbringen wir trotzdem eine ruhige Nacht.

Im nächsten Ort (Gjilrk) können wir uns dann wieder mit Bargeld versorgen, aber wir sind erstaunt, als wir beim Tanken und sogar im Supermarkt mit Karte zahlen können. Wir fahren weiter durch die Berge und zum Llogara-Pass (Qafa Llogara) der auf einer Höhe von 1.027 m liegt. Auf dem Weg kommen wir an einer Trinkwasserquelle vorbei und können an einem Stand Gewürze kaufen. Am Rande des Llogara National Park finden wir auch eine große Freifläche die als Parkplatz für Wanderer genutzt wird. 

In der Nacht hören wir Stimmen und können ein paar Männer mit Taschenlampen von dem Wanderweg kommen erkennen. Am nächsten Morgen erfahren wir dann auch warum sie unterwegs waren. Es kommen 2 Polizisten mit 4 weiteren Männern an uns vorbei und erklären, dass Touristen von einer Wanderung nicht zurückgekommen sind und sie deshalb Suchtrupps losgeschickt haben. Wir hoffen, dass sie gesund wiedergefunden wurden.

Aussicht Llogara-Pass
Parkplatz am Llogara-Pass

Wir fahren nur etwas über 6 km weiter und finden einen tollen Stellplatz an einem Flussbett. Hier können wir endlich wieder furten und werden dabei von skeptischen Kühen beobachtet.

Flussbett

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