Auf Umwegen durch Nord-Norwegen

Auf Umwegen durch Nord-Norwegen

Weiter im Norden ist es immer weniger bewohnt. Das wird auch der Grund sein warum viele Parkplätze nicht geräumt sind und es schwieriger für uns wird einen geschützten Platz zu finden. In der Nähe von Nordmela stellen wir uns in eine Art alten Steinbruch und hoffen, dass uns der Wind hier nicht so stark durchschüttelt. Es schaukelt aber zeitweise ziemlich doll. Als der Wind dann dreht, stehen wir aber recht gut und bekommen nicht mehr so viel ab.

Andøya Steinbruch
Andøya Steinbruch von oben

Direkt hinter uns liegt ein Berg den wir natürlich wieder erkunden müssen. Wir machen uns über das Gestein auf den Weg nach oben. Dabei müssen wir vorsichtig sein, da entweder Schnee oder Moos die Spalten zwischen den Steinen bedecken. Immer wieder sind wir erstaunt, weil wir hier Elchspuren entdecken. Dass diese großen Tiere bis hierherkommen, können wir uns gar nicht richtig vorstellen. Wir genießen die Aussicht bevor wir uns auf den Rückweg machen, als wir sehen, dass wieder dunkle Wolken aufziehen.

Andøya kleine Bergtour

Um ein paar Bergungs- und Abseiltechniken zu üben, gehen wir auf eine der umliegenden Inseln und suchen uns einen kleinen Felsvorsprung. Wir platzieren entsprechende Sicherungen und üben eine Selbstbergung nach einem Absturz während einer Seilschaft. Es dauert zwar alles etwas länger, aber wir schaffen es uns zu befreien. Natürlich hoffen wir, dass wir diese Techniken nicht in Anspruch nehmen müssen, aber es ist besser sie regelmäßig zu üben, damit im Ernstfall eine gewisse Routine vorhanden ist. Die nächste Übung machen wir dann an einem höheren Vorsprung.

Übung Selbstrettung

Wir wollen noch weiter in den Norden von Andøya, weil wir gesehen haben, dass dort ein Space Center ist. Wir fahren nur etwa 20 Kilometer, aber die Straße ist wunderschön am Wasser gelegen und auch die Felsformationen sind sehr beeindruckend. Wir kommen an ein paar Langlaufgebieten vorbei die auch durch eine Raupe geschoben werden. Das Andøya Space Center ist leider geschlossen, aber damit haben wir schon gerechnet. Wir hätten uns gerne das Museum angeschaut. Hier wird vorwiegend Forschung betrieben und es starten Höhenforschungsraketen. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat hier Rückkehrexperimente für Raumgleiter durchgeführt.

Andøya Space Center

Also fahren wir wieder zurück zu den Langlaufstrecken und suchen uns einen Platz auf dem wir auch über Nacht bleiben können. Wir stehen direkt neben der Piste und packen gleich unsere Ski für eine Tour aus. Eine Karte für die Strecke gibt es hier nicht, aber wir folgen einfach den Spuren. Irgendwann müssen wir die Straße queren, um in das weitere Gebiet zu kommen. Auf dem dortigen Parkplatz schauen wir uns die Beschilderung an und sehen, dass viele Langläufer*innen auf dem zugefrorenen See unterwegs sind. Wir schauen wohl etwas skeptisch und deshalb spricht uns eine Frau an. Sie kommt aus dem Ort und auch andere sind sich unsicher wegen der Dicke der Eisschicht gewesen. Deshalb haben sie am Morgen mehrere Bohrungen gemacht und festgestellt, dass das Eis noch mehr als ausreichend dick ist. Wir sollen uns nur von den Wasserzuflüssen fernhalten und einfach dem Weg folgen, den ja die Pistenraupe morgens geschoben habt. Und schon sind wir auf dem See unterwegs. An einigen Stellen auf dem Eis sind wir etwas zögerlich, aber als wir die Bohrlöcher entdecken und uns von der Stärke des Eises überzeugen können, sind wir wieder beruhigt. Wir testen auch andere Techniken und haben langsam ein gutes Gefühl auf den Ski.

Langlauf im Norden von Andøya

Über Nacht hat es ein wenig geschneit und auch gestürmt. Der Parkplatz und wir sind gut eingeschneit, aber natürlich ist das für unseren Peppi kein Problem. Wir fahren weiter nach Andenes ganz im Norden von Andøya, weil von dort die Fähre nach Senja fahren soll. Es sieht alles sehr belebt aus, weshalb wir zum Terminal fahren. Allerdings wird unsere Hoffnung enttäuscht, die Fähre fährt erst wieder ab 15. Mai. Weil wir aber gerne nach Senja wollen, nehmen wir nun den Landweg. Das Wetter ist nachmittags sehr gut und auch die Straßen sind geräumt. So schaffen wir ausnahmsweise 200 Kilometer.

Andøya Langlauf-Parkplatz

In der Region um Harstad gibt es viele Langlaufpisten. Wir fahren zum Folkeparken, einem tollen Gebiet zum Wandern, Spazieren gehen und natürlich Langlauf. Es ist kein Geheimtipp, denn es sind sehr viele Leute unterwegs. Durch die Größe des Gebietes verläuft es sich allerdings sehr gut und wir können ungestört unsere Abfahrttechniken ausprobieren. Auch mit unseren Stürzen sind wir so niemandem im Weg. Wir fahren eine Große Runde und versuchen an den zahlreichen Abfahrten das Bremsen und Lenken zu üben, beides mit unterschiedlichem Erfolg.

Harstad Parkplatz Folkeparken
Harstad Karte Folkeparken

Bevor wir weiter in Richtung Senja fahren, starten wir am Morgen eine kleine Langlaufrunde. Es ist noch wenig los, aber der Parkplatz füllt sich langsam. Der erste Langläufer war schon gegen 7 Uhr da. Auf dem Weg nach Finnsnes fahren wir ein paar Seitenstraßen entlang und kommen so an einigen Sehenswürdigkeiten wie der Steinkirka in Evenes vorbei.

Steinkirche
bei der Steinkirche

Wir haben uns verschiedene Langlaufgebiete auf unserem Weg herausgesucht und finden wieder direkt am Beginn einer Strecke in der Nähe von Bjørnsmoen einen Parkplatz. Es ist sehr ruhig und nur ein paar Autos sind hier unterwegs.

Als wir dann schon im Bett liegen, gegen 0:30 Uhr, klopft es plötzlich am Fahrzeug. Draußen ist alles hell erleuchtet. Als wir uns bemerkbar machen begrüßen uns zwei Polizisten. Sofort entschuldigen sie sich und wir sollen uns ganz in Ruhe anziehen. Christopher geht dann schnell vor und wird auch sofort beruhigt. Anwohner haben nur einen LKW auf den Parkplatz fahren sehen und nicht erkannt, dass es ein Camper ist. Sie dachten, dass vielleicht jemand die hier stehenden Schneemobile stehlen möchte und haben deshalb die Polizei informiert. Die beiden erzählen kurz über unsere Reisepläne und darüber, dass wir wegen der geschlossenen Grenzen gerade nicht weiterkommen. Der Polizist empfiehlt uns weitere schöne Langlaufgebiete in der Gegend und warnt uns, dass wir bei den Bergtouren wegen dem Tauwetter vorsichtig sein sollen. Schließlich erkennt der Polizist unser Wismarer Kennzeichen und fragt, ob wir aus Mecklenburg-Vorpommern kommen. Er war während seiner Ausbildung zweitweise in Hamburg auf dem Kiez. Hier im Norden ist es aber etwas ruhiger. Sie entschuldigen sich nochmal für die späte Störung und wünschen uns einen schönen weiteren Aufenthalt in Norwegen. Solch entspannte Polizisten haben wir bisher leider selten erlebt.

Parkplatz bei Bjørnsmoen

Morgens geht es dann wieder auf die Piste. Hier wurde schon länger nicht mehr geschoben, deshalb folgen wir den Spuren von Schneemobilen und anderen Langläufern. Diese führen uns aber weg vom eigentlichen Weg. Um wieder zurück auf die Strecke zu kommen, versuchen wir den direkten Weg zu nehmen und müssen durch Tiefschnee und auch durch den Wald. Mit den Ski ist es etwas ungewohnt, allerdings können wir uns durch die größere Auflagefläche hervorragend im Tiefschnee bewegen, ohne dass wir einsinken.

Zurück am Bus widmen wir uns der Arbeit am Laptop und weil die Sonne sehr stark ist und es trotz geöffnetem Fenster sehr warm ist, machen wir die Heizung aus. Als wir sie dann nach dem Abendessen wieder starten wollen, schaltet sie sich immer wieder ab und zeigt den Fehler 13 an. Dies bedeutet, dass die Heizung keinen bzw. nicht ausreichend Sprit bekommt. Wir prüfen die Leitungen und pumpen auch noch Diesel in den Haupttank um, aber es funktioniert nicht. Die Pumpe hört irgendwann auf zu pumpen und kommt gar nicht in den Startmodus. Also suchen wir die Ersatzpumpe raus und bauen sie ein. Gleich beim ersten Anlauf startet die Heizung. Die extra leise Pumpe für unsere Planar 44D (Autoterm) hatten wir uns vor der Abfahrt neu gekauft, weil sie wesentlich leisere Pumpgeräusche versprochen hat. Anfangs war es auch wirklich so, aber im Laufe der Zeit hatten wir schon das Gefühl, dass sie lauter wird. Das kann aber auch einfach an unserer Wahrnehmung liegen. Wenn es wieder wärmer ist, wollen wir die Pumpen nochmal tauschen und prüfen, ob sie wirklich defekt ist. Vielleicht hat sie die Dauerbelastung der letzten Wochen nicht ausgehalten.

Wir sind sehr froh, dass die Heizung wieder läuft und fahren weiter nach Senja. Hier liegt mehr Schnee als wir erwartet haben. Unser erster Halt ist der Senjatrollet, anscheinend ein kleines Erlebnisdorf mit Trollen, aber leider ist es geschlossen. Wir schauen uns nur ein bisschen um und fahren weiter. Wir passieren verschiedene Tunnel die etwas spezieller werden. Einige sind unbeleuchtet und das Licht der Scheinwerfer wird von den unebenen Wänden verschluckt. In einem der unbeleuchteten Tunnel ist es dazu wahnsinnig eng und es gibt nur an ein paar Stellen Ausweichbuchten.

An einem schönen Strand finden wir einen Stellplatz und genießen die Aussicht auf die Berge, das Meer und den Sonnenuntergang. Auch einen Spaziergang am Strand können wir uns nicht entgehen lassen. Der Stellplatz wird im Sommer wohl stark genutzt und bietet Platz für viele Fahrzeuge, aber im Winter wird hier nicht geschoben und wir können uns nur in die Einfahrt stellen.

Senja Strand

Leider können wir zurzeit keine Wandertouren starten, da es auf den Bergen aufgrund des Tauwetters und der Lawinengefahr zu gefährlich ist. Deshalb machen wir uns wieder auf den Weg und versuchen eine Fährverbindung in die Nähe von Tromsø zu finden. Es gibt hier mehrere Möglichkeiten. Wir fahren zuerst nach Botnhamn, von hier soll es eine Verbindung nach Brensholmen auf der Insel Kvaløya geben und wir könnten dann auf dem Landweg weiter nach Tromsø. Als wir an dem Anleger ankommen sieht es recht verlassen aus. Laut der Informationstafel ist es gerade noch außerhalb der Saison. Die Linie fährt erst wieder ab 01.05. und würde auch nur Fahrzeuge bis zu einer Länge von 6 Meter mitnehmen. Wahrscheinlich würden ein paar cm nichts ausmachen, aber da es noch 2 Woche bis dahin sind fahren wir weiter.

Fährhafen nach Kvaløya
Schneeberge auf Senja

Aus Lysnes sollen sogar verschiedene Fähren in Richtung Tromsø fahren, aber der Hafen hier sieht noch verlassener aus als der vorherige. Als wir parken entdecken wir, dass der Kiosk freies WLAN hat und wir bringen unsere Geräte mal wieder auf den neuesten Stand. Als Übernachtungsplatz suchen wir uns etwas kurz vor Finnsnes. Weil ja anscheinend noch keine Fähre den Betrieb aufgenommen hat, müssen wir jetzt doch den wesentlich weiteren Landweg nach Tromsø nehmen.

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