Einmal um den Katla

Einmal um den Katla

Nach dieser aufregenden und anspruchsvollen Piste geht es etwas ruhiger weiter auf der F26 in Richtung Süden. Fahrerisch ist sie ein bisschen langweilig, weshalb wir ab und zu ein paar kleinere Wege nutzen, um die Natur zu erkunden. Ein Abstecher führt uns zum Hágöngulón, ein 37 km² großer Stausee gespießt vom Schmelzwasser des Vatnajökull. Das dortige Wasserkraftwerk hat eine Leistung von 200 GWh im Jahr. Es ist möglich diesen Track weiterzufahren, vorbei am Hágöngulón, wo er im Norden an den Vatnajökull führt und auf der Gæsavatnaleið endet. Wir fahren aber zurück in Richtung F26, dort führt uns der Weg durch grüne Täler und idyllische Wasserläufe.

Am Abend treffen wir uns mit Marco und Josi, oder wie wir sie gerne nennen, dem Team Wüstenfuchs, am Fagrifoss. Ursprünglich war der Plan dort zu übernachten, aber im Laufe des Abends werden wir von einer Rangerin freundlich darauf hingewiesen, dass wir hier nicht Übernachten dürfen. Sie schickt uns zum nächstgelegenen Camp (1,5 h Fahrzeit). Also müssen wir leider doch noch weiter. Es geht wieder zurück auf die 26 die mittlerweile schon asphaltiert ist. Wir kommen an einem Hochlandhotel vorbei. Mittlerweile ist es schon spät, also gehen wir ins Hotel und fragen ob wir auf dem Parkplatz übernachten dürfen. Mit Erlaubnis suchen wir uns einen Platz am Rand. Am nächsten Morgen geht es früh weiter, wir wollen die Gastfreundschaft ja nicht überstrapazieren.

Nach einem Stopp am Háifoss, einem 122 m hohen Wasserfall (sehr lohnenswert da man direkt an den Fuß des Wasserfalls wandern kann), geht es weiter nach Vík ganz im Süden des Landes. Wir fahren die viel befahrene Ringstraße. Gefühlt ist jedes zweite Fahrzeug ein weißer Dacia Duster und der Rest sind gemietete Camper. Unser erstes Ziel ist das Flugzeugwrack einer 1973 abgestürzten DC-3 der US-Army an einem der schwarzen Strände. Der Pilot musste damals notlanden, weil der Treibstoff ausging. Die Crew hatte Glück im Unglück, denn alle Besatzungsmitglieder überlebten. Seitdem liegt das Flugzeug dort fast unverändert und verfällt vor sich hin. Leider ist es nicht mehr möglich mit dem Fahrzeug direkt zum Flugzeug zu fahren. Wir hätten gerne Bilder gemacht mit unserem kleinen Peppi der neben dem Flugzeug steht.

Früher konnte man hier sehr nahe an das Flugzeug heranfahren. Das Gebiet ist in privatem Besitz und nachdem der Ansturm darauf angewachsen ist, hat der Besitzer entschieden, dass das Befahren nicht mehr möglich sein soll. Direkt an der Ringstraße ist ein Parkplatz und ein Schild erklärt auf Isländisch, Englisch und Japanisch, dass der Weg etwa 7 km beträgt (hin und zurück). In der Ferne kann man auch schon den Ozean sehen. Mit der Kamera bewaffnet machen wir uns auf den Weg. Wir werden belohnt mit einer tollen Kulisse (anscheinend wurde hier auch irgendein Musikvideo gedreht, weshalb so viele Touristen diesen Punkt anfahren). Am Wasser genießen wir das Rauschen der Wellen und sind mal wieder wieder fast allein. Der schwarze Sand und die Berge sind einfach atemberaubend schön.

In Vík leben lediglich 330 Menschen, das kann man sich nicht vorstellen, wenn man sieht wie voll es hier ist. Landschaftlich hat der Ort viel zu bieten, allerdings muss man sich damit abfinden das es überall sehr voll ist.

Die schwarzen Strände im Süden Islands laden zum Kiten ein, aber leider spielt der Wind nicht mit. Es ist zwar extrem stürmisch. Der Wind kommt über das Land, ist also ablandig und verwirbelt extrem. Die Windgeschwindigkeiten schwanken zwischen 15 und 50 Knoten. Das macht jeden Kiteversuch zunichte.

Uns zieht es wieder zurück in das Hochland. Landmannalaugar ist das nächste Zwischenziel. Wir fahren nicht den direkten Weg über die F208, sondern über die landschaftlich sehr schöne und wenig befahrene F232, dann weiter über die F233 zurück auf die stärker frequentierte F208. Dieser kleine Umweg lohnt sich durchaus. Es macht aufgrund der abwechslungsreichen und grünen Landschaft unglaublich viel Spaß hier zu fahren, auch fahrerisch gibt es immer wieder kleinere Herausforderungen.

Wir planen die Landschaft noch etwas zu genießen und zu Fuß zu erkunden. Deshalb entscheiden wir uns das Hólaskjól-Higlandcenter anzufahren (ein idyllisches Camp an der F208) und erst am nächsten Tag weiter nach Landmannalaugar zu fahren. Die Hüttenwirten dort ist sehr sympathisch. Wir erzählen fast eine Stunde. Unter anderem erfahren wir, dass es vor ein paar Tagen einen Gletscherabbruch gab und alle evakuiert wurden. Auch Landmannalaugar ist erst seit 2 Tagen wieder freigegeben. Unser Glück, somit kann es am nächstem Morgen weiter Richtung Norden gehen. Allerdings nicht gleich nach Landmannalaugar, sondern erst zum Langisjór (ist ein See auf 670 m Höhe mit einer Fläche von 27 km² am südwestlichen Rand der Vatnajökull), weil uns dieses Gebiet am Tag zuvor empfohlen wurde. Unterwegs machen wir einen Abstecher zum sagenumwobenen Blautulón. Dies ist ebenfalls ein See in dem angeblich des öfteren schon Fahrzeuge verschwunden sind. Sogar ein Reisebus soll im See versunken sein. Der offizielle Track verläuft hier durch den See. Man sollte aber natürlich nicht quer durch den See fahren, sondern am Rand bleiben ;). Dort legen wir alle gemeinsam eine Badepause ein, trotz des nur wenigen Grad kalten Wassers.

Am darauffolgenden Tag sind wir dann endlich in Landmannalaugar angekommen. Es ist ein Hotspot für Wanderer, denn viele Wandertouren starten oder enden hier. Dementsprechend ist es hier auch sehr voll und täglich kommen voll besetzte Busse an. Anfangs fühlen wir uns aufgrund der Menschenmassen etwas überfordert, damit hätten wir im Hochland nicht gerechnet. Allerdings teilt es sich auf den zahlreichen Wanderrouten ganz gut auf und das ganz Gebiet ist extrem vielfältig und spannend. Der Hot Pot in Landmannalaugar ist bis spät in die Nacht voll besetzt und wir wollen es in den Morgenstunden versuchen. Planmäßig sitzen wir um 04:30 Uhr ganz alleine im Hot Pot und betrachten den Sonnenaufgang.

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