Finnlands Felsen – auf der Suche nach den Kletterspots

Finnlands Felsen – auf der Suche nach den Kletterspots

Auf dem Weg nach Süden haben wir in den Karten einige Klettergebiete gefunden und wollen diese erkunden. Leider scheint es gleich das erste Gebiet nicht mehr zu geben, hier liegt nur noch aufgetürmtes Geröll.

Suche nach Kletterfelsen bei Sodankylä

Deshalb fahren wir weiter in Richtung Polarkreis und Rovaniemi. Etwa 25 km vor dem Ort machen wir Halt auf einem Rastplatz in Vikajärvi. Hier gibt es sogar Parkplätze die durch Baumreihen voneinander getrennt sind. Eine „Parzelle“ weiter stehen 3 Finnen mit ihrem Wohnmobil und einem Anhänger. Später stellen wir fest, dass in diesem Anhänger eine Sauna ist. Die Finnen scheinen die Sauna wirklich sehr zu mögen. Der Grillplatz ist sehr groß, weshalb sich hier eine Großfamilie zum Grillabend trifft. Und auch die Stromschnellen sind sehr schön. Auf der anderen Seite des Flusses starten mehrere Wanderwege. Wir entscheiden uns für einen Weg zu einem Vogelbeobachtungsturm und merken schnell, dass die Mücken nur auf uns gewartet haben. Wir gehen sehr zügig damit sie uns nicht erwischen. Auf dem Aussichtsturm weht glücklicherweise ein bisschen Wind und so können wir die weite Landschaft genießen.

Rastplatz in Vikajärvi
Aussichtspunkt

Kurz vor Rovaniemi liegt das Santa Claus Village direkt am Polarkreis. Hier hat der echte Weihnachtsmann sein Büro und in dem kleinen Park dreht sich alles um das Thema Weihnachten. Wir schauen uns ein wenig um, aber die Weihnachtsmusik und die Temperaturen von über 25 Grad passen irgendwie nicht so ganz zusammen. Im Santa Claus Office kann man den Weihnachtsmann, der in Finnland Joulupukki heißt, auch treffen. Eine seiner Elfinnen sagt uns aber, dass er gerade sein Mittags-Nickerchen macht. Deshalb wollen wir zum Postamt, von wo aus man Briefe in alle Welt verschicken kann. Diese werden dann erst zu Weihnachten verschickt und bekommen einen offiziellen Stempel des Weihnachtsmanns. Die Idee fanden wir sehr schön, weil wir in diesem Jahr zu Weihnachten wahrscheinlich in Griechenland sind. Leider war das Postamt aber geschlossen. Nebenan schließen auch noch ein großer Freizeitpark und ein Feriendorf an, aber wir fahren weiter in die Stadt.

Rovaniemi Polarkreis

Rovaniemi ist die Hauptstadt des nordfinnischen Lapplands. Es ist eine schöne Stadt mit einigen interessanten Gebäuden. Wir wollen allerdings nach einer Datenkarte suchen und finden schnell ein Einkaufszentrum in dem verschiedene Anbieter ihre Geschäfte haben. Die meisten haben in der Prepaid-Variante allerdings nur Guthaben und eine Abrechnung je nach Verbrauch. In einem DNA-Shop finden wir ein tolles Angebot, für 24,90 Euro bekommen wir unlimited Data, also wirklich unbegrenztes Datenvolumen. Wir können es gar nicht glauben. Der Verkäufer bemerkt unsere Freude und fragt uns wo wir herkommen, das erklärt ihm einiges.

Für die Nacht finden wir mal wieder einen tollen Platz am See, dem Lehtojärvi. Hier bleiben wir auch ein paar Tage stehen. Nur eine kurze Wanderung entfernt ist dann auch endlich ein Kletterspot. Am Beginn des Weges können wir noch keine Erhebungen erkennen, aber dann stehen wir doch vor 10 bis 12 Meter hohen Wänden. Für die Route haben wir leider keinen Guide und müssen einfach den Schwierigkeitsgrad herausfinden, aber da sie nicht so lang sind können wir die meisten testen. Bei den Einheimischen haben wir uns abgeschaut, dass man ein kleines Feuer macht, um die Mücken zu verscheuchen. Gerade an den verschatteten Plätzen im Wald erweist sich das als sehr hilfreich.

Klettern am Fels
Aussicht vom Fels
Klettern am Fels

So langsam wollen wir in Richtung Ostsee fahren und peilen Simo als Ziel an. Wir finden auch hier wieder tolle Rastplätze und können ein wenig wandern gehen. Kurz vor Oulu entdecken wir einen kleinen Strand am Kuivajoki an dem ein Pavillon mit Grill im Inneren steht. Da es am Abend regnet, machen wir uns ein Feuer und genießen die Aussicht auf das Wasser. Am nächsten Morgen ist dann sogar etwas Wind und Christopher kann endlich wieder aufs Wasser. Am Strand entdecken wir ein steinernes Ei. Dazu gibt es eine Beschreibung die erklärt, dass das Kunstwerk auf der alten Frage basiert, was zuerst kam, das Huhn oder das Ei. Nach dem finnischen nationalen Epos Kalevala gab es zu Beginn der Zeit nur Wasser und Luft, und die Welt war noch nicht geformt. Die einzige Kreatur war Ilmatar, der im Urmeer schwebte. Der erste Vogel der Welt baute ein Nest auf Ilmatars Knie und legte sieben Eier, aus denen die Welt gebaut wurde. Die nordischen Sagen sind schon ziemlich interessant.

Ei am Strand Kuivajoki
Kiten Kuivajoki

Wir fahren weiter nach Oulu, die größte Stadt Nordfinnlands und die nördlichste Großstadt Europas. Der Name könnte bekannt sein, weil hier das Werk von Nokia ist und außerdem hier jedes Jahr die Luftgitarren-Weltmeisterschaft stattfindet. Wir wollen aber in die Kletterhalle Oulun Kiipeilykeskus. Hier gibt es eine Seilkletterhalle mit einigen automatisch gesicherten Wänden und 2 Boulderhallen. Die Wände sind über 15 Meter hoch und haben viele verschiedene Schwierigkeitsgrade für Vorstieg und Top-Rope. Insgesamt gibt es über 200 Routen. Es ist mal wieder ganz anders in einer Halle mit geschraubten Routen zu klettern. Wir arbeiten uns durch die Halle und probieren das erste Mal das automatisch gesicherte Klettern. Am Anfang ist es ein komisches Gefühl, weil eine Pause nicht einfach möglich ist und man bei einem Sturz sofort abgelassen wird.

Wir bleiben fast eine Woche in Oulu und der Umgebung. Die Innenstadt ist wie in den meisten Großstädten gut besucht und es gibt viele Einkaufsmöglichkeiten. Wir suchen uns für die Nacht immer neue Plätze am Strand und kommen dort auch mit ein paar Anwohnern ins Gespräch. So bekommen wir noch ein paar Tipps für die Umgebung und machen uns nach einem weiteren Besuch in der Kletterhalle wieder auf den Weg nach Süden.

In Raahe entdecken wir einen tollen Platz auf einer Landzunge. Wir genießen die Ruhe und die tolle Aussicht aufs Wasser. Entlang der E08 fahren wir an Dünenlandschaften vorbei die sehr an Dänemark erinnern. Leider sind die Stellplätze direkt an der Straße, weshalb wir weiter nach Kokkola fahren. Hier ist ein großer Parkplatz im Wald von dem aus ein Weg an den Strand und zu einem Vogelbeobachtungspunkt führt. Außerdem ist hier ein großes Gebiet für Disc Golf, also Parcours für Frisbee bei denen die 18 Abschlagspunkte wie beim Golf angelegt und bewertet sind. In Finnland scheint es ein recht verbreiteter Sport zu sein, denn viele Leute haben extra Rucksäcke für die Frisbees und wirken recht professionell.

Landzunge bei Raahe
Disc Golf - Kokkola

Auch kurz vor Vaasa finden wieder einen schönen Platz auf einer Landzunge direkt neben einem Strand. Von hier aus können wir einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten. In der Nähe gibt es auch einen Kletterspot in einem Wald. Es gibt dort zwar nicht direkt Parkmöglichkeiten, aber den Weg etwas hinunter werden wir fündig. Am Kletterfelsen sind bereits 2 andere Kletterer und sie erzählen uns von den verschiedenen Routen und den Schwierigkeitsgraden. Die meisten liegen bei einer Bewertung von 6 und mehr, was für uns schon recht anstrengend ist. Es macht aber viel Spaß und wir bekommen noch Tipps für weitere Spots. Für die Nacht fahren wir zum Waldparkplatz am Kortejärvi. Von hier aus starten einige Wanderwege und auf der Beschilderung sind neben Auerhähnen auch Gleithörnchen zu sehen. Bei einem Spaziergang halten wir die Augen offen, aber wir können leider keine entdecken.

Stellplatz bei Vaasa
Stellplatz bei Vaasa - Sonnenuntergang

Die nächsten Kletterfelsen sind nur noch 60 km nördlich von Helsinki. Wir fahren von der Hauptstraße ab in Richtung Kytäjä. Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht kommen wir an den Hirvijärvi. Hier ist die Strandnutzung nur zwischen 6 und 22 Uhr erlaubt. Am Hauptstrand ist sehr viel los und wir warten bis abends, um noch eine kleine Runde zu schwimmen. Die Enten sind hier nicht gerade scheu, denn als wir ins Wasser gehen schwimmen sie nicht weg, sondern auf uns zu. Es ist ein komisches Gefühl.

Bevor wir am Morgen zum Kletterfelsen fahren, springen wir noch einmal in den See und können es ganz alleine genießen. Zum Felsen gehen wir vom Parkplatz etwa 2 km an einem Feldrand entlang. Glücklicherweise gibt es dann Hinweisschilder und wir finden alles problemlos. Wir müssen ein Stück durch einen kleinen Märchenwald und kommen dann an zahlreiche etwa 10 Meter hohe Wände. Es sind wieder über 25 Grad und deshalb sind wir froh, dass die Wände zum größten Teil im Schatten liegen. Andere Kletterer machen dort ein Picknick und kochen sich Kaffee. Da kommt uns gleich wieder in den Sinn, dass die Finnen den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kaffee weltweit haben.

Klettergebiet Jaanankallio

In einem Waldgebiet kurz vor Helsinki bleiben wir an einem Vogelaussichtspunkt stehen. Hier können wir einen Auerhahn hören, aber zu Gesicht bekommen wir ihn nicht. Es ist merkbar, dass wir näher an eine Großstadt kommen, denn hier sind viele Radfahrer und Jogger unterwegs.

Um uns Helsinki anzuschauen, haben wir uns dazu entschieden mal wieder einen Campingplatz anzufahren. Das Angebot ist hier allerdings nicht sehr groß und so fahren wir zum Rastila Campingplatz, weil er auf unserem Weg liegt. Er ist mitten in der Stadt und umgeben von großen Wohnhäusern. Gemütlich ist anders und irgendwie wollen wir wieder zurück in die Einsamkeit. Wir bezahlen für einen einfachen und den kleinst möglichen Platz ohne Strom 35 Euro. Er liegt aber direkt an einer Metro-Station uns so sind wir in 20 Minuten an der Universität mitten in der Stadt. Ein Tagesticket (24 h gültig) für die Bereiche A und B, was eigentlich die ganze Innenstadt und das Randgebiet abdeckt, kostet 8 Euro pro Person. Wir kommen direkt am Klettershop an und gehen gleich einkaufen. Christopher braucht neue Kletterschuhe und weil wir nun doch häufig am Fels klettern, legen wir uns ein Set Friends (mobile Sicherungsgeräte) zu. Eigentlich können wir dann wieder zurück, aber bei dem tollen Wetter schauen wir uns noch ein bisschen die Umgebung an. Die Gebäude sind sehr schön und an der Musikhalle können wir eine große Gruppe Weißwangengänse beobachten und dabei ein klassisches Konzert hören. Neben zahlreichen Einkaufszentren gibt es auch viele Cafés und Kneipen. In der Nähe des Rathauses am Hafen finden wir eine gemütliche Bar und genießen den Ausblick auf die verschiedenen Schiffe bei einem frisch gezapften Bier.

Weißwangengänse in Helsinki

Am Morgen fahren wir nach Westen und nutzen dafür den Ring um die Stadt. Hier ist alles gut ausgeschildert und wir kommen gut voran. Als letztes Ziel in Finnland fahren wir nach Porkkalan, ein tolles Gebiet am Wasser. Hier gibt es viele Parkplätze mit Grill- und Feuerstellen. Eigentlich haben wir gehofft, dass das Kiten hier möglich ist, aber leider ist der Einstieg nicht so gut, weil die Steine sehr glatt und rutschig sind. Der nächste Strand wäre dann noch mal über 100 km entfernt. Auch weil mit der nächsten Fähre Besuch aus Rostock kommt, bleiben wir hier. Bei einer Wanderung durch das Gebiet finden wir viele Blaubeeren und einen noch ruhigeren Stellplatz. Dort warten wir auf unsere Freunde und buchen die Fähre, die in ein paar Tagen von Helsinki aus nach Tallinn/Estland fährt.

Stellplatz im Wald - Porkkalan
Porkkalan

Nach der tollen Zeit mit unseren Freunden fahren sie weiter nach Norden und wir zurück nach Helsinki. Am Morgen stehen wir pünktlich um 7 Uhr am Check-In. Die Fähre ist komplett ausverkauft und deshalb sehr voll. Als wir ablegen schauen wir uns Helsinki noch mal aus einer anderen Perspektive an.

In Finnland haben wir immer wieder tolle und ruhige Stellplätze gefunden. Die Weite und Ruhe gerade in Lappland haben uns sehr beeindruckt, auch wenn es stellenweise etwas zu ruhig für uns war. Wir sind sehr gespannt wie es für uns weitergeht und freuen uns darauf das Baltikum zu entdecken.

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