Willkommen in Finnland – unterwegs in den Weiten Lapplands

Willkommen in Finnland – unterwegs in den Weiten Lapplands

Seit dem 15. Juni ist die Einreise nach Finnland auch ohne Quarantäne wieder möglich. Auch wenn es uns sehr schwer fällt, machen wir uns auf den Weg zum Grenzübergang. Wir fahren die E8 entlang und plötzlich geht alles ganz schnell. Wir sehen 2 norwegische Polizistinnen die die einreisenden Fahrzeuge kontrollieren und schon sind wir in Finnland. Ein komisches Gefühl, nun können wir nicht so einfach zurück. Nach etwa 2 Kilometern kommen wir dann an eine Kontrollstation des finnischen Zolls. Eine Beamte kommt direkt zu uns und fragt, ob wir etwas zu verzollen haben. Unsere Antwort scheint ihr aber nicht zu reichen, weshalb sie sich das Fahrzeug gerne etwas genauer anschauen möchte. Erst zeigen wir ihr alle Staukisten außen am Fahrzeug und dann auch noch innen. Ein Kollege kommt sogar mit einer Leiter, um sich die Staukisten auf dem Fahrerhaus anzuschauen. Das ist das erste Mal, dass dort wirklich jemand reinschauen möchte. Sie sind allerdings nur auf der Suche nach Fisch oder anderen tierischen Produkten. Während der ganzen Zeit unterhalten wir uns viel mit der Zollbeamten und sie fragt uns, ob uns das öfter passiert. Wir erklären, dass wir uns vorher über Einreisebestimmungen informieren und deshalb sehr entspannt in dieser Angelegenheit sind. Schließlich werden wir noch registriert und nach etwa 45 Minuten können wir weiterfahren. Auch wenn es recht lange gedauert hat, waren doch wieder alle sehr nett.

Nicht mal einen Kilometer von der Zollstation entfernt ist unser erstes Ziel. Hier ist ein größerer Parkplatz von dem aus viele Wanderrouten starten. Einige Routen führen auf die umliegenden Berge wie den Pikku-Malla mit einer Höhe von 738,5 Metern oder den Saana (1028,7 Meter). Wir sind allerdings hier, um die Wanderung zum Dreiländereck zu machen. Insgesamt sind es etwa 25 Kilometer und die Strecke ist als mäßig bis schwer eingestuft. Wir überlegen anfangs noch, ob wir tatsächlich noch heute starten oder früh morgens. Das Wetter ist allerdings so schön und es wird ja auch nicht dunkel, weshalb wir dann doch unsere Sachen zusammenpacken und uns auf den Weg machen. Das erste Stück führt uns durch eine ebene Landschaft bis wir wieder mal vor einem Schneefeld stehen. Wir folgen den Fußspuren und gehen einen steinigen Weg den Berg hinauf und schließlich durch einen Wald hinunter. Irgendwann stehen wir vor einem Wasserfall. Es sieht toll aus, aber der eigentliche Weg kann hier nicht genutzt werden, weil gerade zu viel Schmelzwasser fließt. Über die großen Steine im Wasser kommen wir aber trotzdem trockenen Fußes auf der anderen Seite an. Der Untergrund wird immer matschiger. Zwei Finninnen erzählen uns, dass der weitere Weg noch sehr schwierig ist, aber auf jeden Fall machbar. Wir müssen noch einen weiteren Fluss queren, aber auch das schaffen wir ohne die Schuhe auszuziehen. Nach einer Weile kommen wir dann zur finnisch-norwegischen Grenze und wir sind erstaunt, dass hier tatsächlich ein Zaun gezogen wurde. Wir vermuten allerdings, dass dieser eher aufgrund des Rentierzuchtgebietes errichtet wurde. Kurz bevor wir unser Ziel erreichen, stehen wir wieder vor einem Schneefeld. Allerdings fließt darunter Wasser und wir können nicht erkennen, ob dort eine kleine Brücke ist. Auf der norwegischen Seite, die aber hinter dem Zaun ist, liegen ein paar Stämme für den Übergang. Wir überlegen kurz und weil das Wasser nicht sehr tief oder schnell fließend ist, gehen wir vorsichtig aber schnell über die Schneedecke. Es hat uns gehalten.

Das Dreiländereck selbst befindet sich in einem kleinen See. Nur von der finnischen Seite gib es hier einen Steg der dorthin führt. Auf Finnisch heißt es übrigens Kolmen valtakunnan rajapyykki, auf Schwedisch Treriksröset, auf Norwegisch Treriksrøysa und Golmma riikka urna in der nordsamischen Sprache. Wir umkreisen den Punkt ein paar Male und genießen die tolle Aussicht. So langsam merken wir aber, dass es kühler wird und wir machen uns auf den Rückweg. Ein paar Rentieren laufen uns über den Weg und es sind sogar einige Jungtiere dabei.

Eigentlich haben wir damit gerechnet, dass die Wanderung um einiges mückenreicher wird, aber zurzeit scheinen noch die ganz normalen Mittel von zu Hause zu helfen. Als wir endlich wieder am Bus ankommen ist es schon 0:45 Uhr, wir waren über 8 Stunden unterwegs.

Dreiländereck (Schweden, Finnland, Norwegen)

Am Morgen beobachten wir das Treiben auf dem Parkplatz. Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Wir fahren erstmal an der schwedischen Grenze entlang nach Süden. Es ist sehr warm und deshalb fahren wir gar nicht weit und finden einen ruhigen Platz an einer Boots-Slipanlage. Auch hier gibt es eine Möglichkeit zum Feuer machen und zum Grillen. Wir waschen unsere Hosen und Socken von der Wanderung aus, weil wir doch ziemlich oft tief im Matsch eingesunken sind und der Dreck nicht einfach abzuklopfen ist.

Parkplatz Könkämäeno
Waschen im Könkämäeno

Wir fahren weiter in Richtung Inari und machen Halt im Nationalpark Puljun erämaa-alue. Die Landschaft ist sehr weit und geprägt von Birken, Fichten und Kiefern. Um Ruhe zu finden scheint dieses Fleckchen Erde genau das Richtige zu sein. Als wir am Abend aus dem Fenster schauen und der Natur lauschen, bemerken wir das erste Mal was Ruhe wirklich bedeutet. Die Stille wird hier nur durch das Gezwitscher der Vögel unterbrochen und wenn es windstill ist, kann hat man das Gefühl sein eigenes Blut fließen zu hören. Es ist sehr beeindruckend.

Nationalpark Puljun erämaa-alue

Auf dem Weg nach Inari halten wir an der 955 am See Solojärvi. Früher war es anscheinend möglich zwischen den Bäumen zu stehen, aber die Zufahrt wurde mit großen Steinen versperrt. Der Platz ist trotzdem wunderschön und wir haben den ganzen Strand für uns allein. Wir genießen die Sonne und beobachten die herumlaufenden Sandregenpfeifer. Später am Abend kommen noch ein paar Leute mit Kajaks vorbei, die ihr Lager direkt am Strand aufschlagen.

Strandparkplatz vor Inari
Strandparkplatz vor Inari

Die Gemeinde Inari liegt am See Inarijärvi und hat 6.930 Einwohner. Im Ort selbst leben allerdings unter 500 Menschen, weshalb alles sehr übersichtlich ist. Weil wir den See am liebsten mit einem Kajak erkunden wollen, suchen wir uns einen Campingplatz mit Bootsverleih. Etwas außerhalb werden wir schnell fündig und bekommen sogar den schönsten Platz direkt am Wasser und hinter einer Baumreihe. So stehen wir nicht zwischen den Wohnmobilen auf dem Hauptplatz. Die Betreiber des Platzes sind keine Menschen vieler Worte und wir sind uns anfangs noch unsicher, ob wir jetzt wirklich ein Boot gemietet haben. Aber es klappt alles und wir paddeln los.

Der See mit einer maximalen Wassertiefe von 92 Metern und über 3.000 Inseln ist einfach perfekt um ihn mit dem Boot zu entdecken. Er ist der drittgrößte See Finnlands und umgeben von Kiefernwäldern. Ab und zu erinnert er an ein Labyrinth aus Wasserstraßen, aber dank unserer Navigation finden wir uns gut zurecht. Einige der Inseln schauen wir uns etwas genauer an und genießen das tolle Wetter. Nach etwa 5 Stunden machen wir uns dann aber auf den Rückweg, der durch den Gegenwind etwas anstrengender ist.

auf dem Inarisee

Sehr zu empfehlen ist das Siina, das Museum in Inari das sich ausführlich mit der Kultur der Samen und der Natur beschäftigt. Hier gibt es verschiedene Ausstellungen. Im großen Hauptsaal wird die Kultur der Sámi aus der jüngeren Vergangenheit bis heute ausgestellt. Dabei wird Bezug auf die Vegetation von Flora und Fauna im Laufe der Jahreszeiten und die enge Verbindung der Sámi mit der Natur genommen. Viele Ansichtsobjekte, Informationstafeln und Filme geben einen tiefen Einblick. In der kleineren Ausstellung wurde die Ansiedlung und Entstehung der Kultur anhand eines Zeitstrahls gezeigt. Wir haben uns wahrscheinlich alles durchgelesen und haben viel Zeit im Museum verbracht. Aber auch der Außenbereich ist sehr groß. Auf dem Rundgang können etwa 50 Objekte und Gebäude angeschaut werden. Die Konstruktionen zur Jagd oder Tierhaltung sind sehr interessant beschrieben.

Siida Museum Außenbereich

Voller neuer Informationen fahren wir auf einen Parkplatz ein bisschen außerhalb. Von hier starten wir eine kurze Wanderung zu einer Holzkirche, die Kirche von Pielpajärvi. Der Weg ist ausgeschildert und wir kommen gut voran. Da es gerade viele Mücken gibt, versuchen wir möglichst schnell zu gehen und nicht zu halten. Auf dem Weg kommen wir an einigen Hütten vorbei, die anscheinend gemietet werden können. Es gibt auch einige Grillplätze am Wasser. Die Kirche steht dann plötzlich irgendwo im nirgendwo, wohl deshalb wird sie auch als „Einödkirche“ bezeichnet. Die Kirche gehört zu den ältesten Gebäuen in Nordlappland. Heute wird sie aber nur noch zum Mittsommerfest und für kirchliche Trauungen genutzt. Für Besucher ist sie immer offen. Die Türen und Fenster sind lediglich mit hölzernen Fensterläden versehen und sollen beim Verlassen auch wieder verschlossen werden. Auch den Rückweg legen wir schnell zurück und sind nach etwa 2 ½ Stunden wieder am Bus. Da es rund um den Platz sehr ruhig ist, bleiben wir auch über Nacht hier stehen.

Holzkirche

Wir erkunden ein wenig die Umgebung des Inari und fahren auch mal in eine Sackgasse. Hier ist es wirklich einsam, aber trotzdem sind am Ende vieler Straßen Ferienhäuser. Also fahren wir schließlich zur Karhunpesäkivi, einer Höhle. Zu Beginn des Wanderweges ist ein großer Rastplatz mit Café und vielen großen Bärenskulpturen. Wir sind sehr gespannt. Als wir aber am Ende des Weges ankommen, freuen wir uns zwar über die schöne Aussicht, aber eine Höhle ist hier nicht. Auf dem Rückweg sehen wir dann das Schild das auf den Eingang zeigt. Und dann wundern wir uns auch nicht mehr warum wir das übersehen haben. Die Höhle ist nur ein großer ausgehöhlter Stein in den man krabbeln kann. Es ist ziemlich witzig, aber weil wir noch in den rumänischen Höhlendimensionen gedacht haben, trotzdem etwas enttäuschend.

Höhleneingang
in der Höhle

Und es geht weiter in den Süden. Durch Ivalo, der größten Ortschaft in der Gemeinde Inari, fahren wir weiter durch die Weiten Lapplands. Zwischen den vielen Birken, Fichten und Kiefern finden immer wieder tolle Plätze am Wasser und genießen die Ruhe.

am Porttipahta-Stausee
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