Norwegen taut auf – Tromsø und Lyngen

Norwegen taut auf – Tromsø und Lyngen

Wir haben uns auf den Weg in Richtung Tromsø gemacht. In der Umgebung gibt es weitere Kletterspots und wir hoffen, dass das Klettern dort auch schon möglich ist. Unterwegs finden wir auch wieder tolle und ruhige Plätze in der Nähe der Straße. Bei Storslett am Reisafjord fahren wir auf einen ruhigen Parkplatz von dem aus wir einen kleinen Rundgang am Wasser machen. Dort gibt es wieder einige Sitzmöglichkeiten mit Feuerstellen und bereits gehacktem Holz. Aber auch auf dem Rastplatz in der Nähe von Oteren am Storfjord (Lyngen) stehen wir direkt am Wasser und können Vögel beobachten.

Als wir vor ein paar Wochen in dieser Gegend waren, war noch alles mit Schnee bedeckt, aber nun wird alles zunehmend grün. Überall sind kleine aber auch größere Wasserfälle vom Schmelzwasser zu entdecken und wir können fast dabei zusehen wie die Blätter an den Bäumen wachsen.

Wir fahren erstmal nur durch Tromsø weiter nach Kvaløya, weil hier die Klettergebiete sind, die wir uns rausgesucht haben. Wir bleiben über Nacht auf einem Parkplatz neben einem Tunnel stehen und sind sehr erstaunt, dass hier doch noch viel Schnee liegt. Dieses Jahr bleibt er anscheinend wirklich sehr lange liegen. Später bekommen wir nette Nachrichten von Daniel, der uns einige Tipps für Kletterspots und Stellplätze auf der Insel schickt. Außerdem lädt er uns zu sich auf einen Kaffee ein und als wir seine Adresse raussuchen bemerken wir, dass es nur 9 km bis zu ihm sind. Also machen wir uns am Nachmittag auf den Weg nach Skulsfjord, einem kleinen und idyllischen Ort. Wir werden von Daniel und Nina und ihren beiden Lundehunden Mio und Nova begrüßt. Es ist ein sehr schöner und interessanter Nachmittag, denn die beiden klettern selbst und können uns die verschiedenen Spots näher beschreiben. Außerdem erfahren wir etwas über die Lundehunde, die doch etwas ungewöhnlich aussehen. Sie haben 6 Zehen und einen sehr kurzen und fuchsartigen Schwanz. Ursprünglich wurden sie für die Jagd auf Papageientaucher gezüchtet und haben sogar ein entsprechend angepasstes Gebiss. Mio und Nova gehen glücklicherweise nicht auf die Jagd. Natürlich sprechen wir auch über die derzeitige Pandemie-Situation. Daniel arbeitet im medizinischen Bereich und kann uns deshalb sagen, dass es in der Region Tromsø schon lange keine neuen Fälle mehr gab. Wir genießen den leckeren Kaffee und die Geschichte wie es sie vor 16 Jahren nach Norwegen verschlagen hat. Wir verstehen es mittlerweile sehr gut, dass man sich in diese Gegend verliebt und hier hängen bleibt. Über Nacht können wir auf dem Parkplatz am Gemeindehaus stehen, wo wir sogar Besuch von ein paar Rentieren bekommen.

Als wir am Morgen beim Frühstücken sind, klopft es am Bus und wir werden um Hilfe gebeten, da er sich etwas die Straße rauf festgefahren hat. Wir suchen unser Abschleppseil raus und fahren zu ihm. Anscheinend ist er beim Umdrehen eingesackt und liegt nun mit der Mitte des Fahrzeuges auf. Peppi schafft es aber schnell ihn zu befreien und wir können uns schon ein bisschen in die Ortsgemeinschaft einbringen. 😊

Nina und Daniel haben uns zu einem Grillfest bei einem Freund eingeladen. Dieses findet allerdings zwischen Oteren und Furuflaten statt, was bedeutet, dass wir den Weg den wir gerade gefahren sind wieder zurück müssen. Weil wir aber in letzter Zeit nicht wirklich die Chance hatten Menschen kennenzulernen, machen wir uns dann doch auf den Weg. Dort angekommen sind wir aber hin und weg von der Lage des Grundstückes und der traumhaften Aussicht auf die Berge und den Fjord. Das Grundstück von Markus und seiner Familie liegt direkt am Wasser und auf einer großen Fläche ist ausreichend Platz für einige Camper und Zelte. Wir fühlen uns sofort sehr wohl. Es wird eine lustige Runde und wir tauschen vielen Geschichten aus. Wir bekommen sogar einige Tipps für Kletterspots in Griechenland und anderen Ländern. Es ist auch jemand dabei der in der nördlichsten Destille arbeitet und etwas von dem gerade erst geöffneten Whisky mitgebracht hat. Nicht nur der Whisky schmeckt sehr gut, sondern auch die Flasche Bivrost (Arctic Single Malt Whisky) ist sehr schön gestaltet. Das Cover ist sehr individuell und im Flaschenboden sind die Lyngenalps (Lyngener Alpen) eingearbeitet.

Privater Platz Lyngen
Lundehunde Mio & Nova

Zwischendurch können wir dann auch noch die tolle Sauna nutzen. Von dort aus kann man im Winter Nordlichter sehen, aber auch jetzt haben wir eine tolle Aussicht auf die Berge und Rentiere. Durch die andauernde Helligkeit merken wir wieder nicht wie schnell die Zeit vergeht. Wir tauschen Musikvorlieben aus und bekommen auch Samische Musik zu hören. Es macht wahnsinnigen Spaß so viel Neues zu entdecken. Zum Schluss sind aber nur noch Markus, der übrigens vor 20 Jahren aus Brandenburg hierhergekommen ist, und wir beide da und singen morgens um 7 Uhr „die Internationale“ in Dauerschleife. Einfach ein toller Abend.

Bevor wir die Lyngenhalbinsel weiter erkunden, wollen wir mit Markus und seinem Husky Turbo eine kleine Wanderung auf einen der umliegenden Berge machen. Allerdings kommen wir nicht weit. Das Schmelzwasser fließt recht stark den Berg hinunter und der Schnee ist noch nicht genug weggetaut. Wir würden immer wieder einsinken und wären nach kurzer Zeit total durchnässt. Also verlassen wir diesen tollen Platz und fahren nur 16 km weiter nach Norden an einen kleinen Strand. Es sind um die 20 Grad und wir genießen einen ruhigen Tag. Als wir zwischendurch am Bus sind hören wir ein lautes Grummeln. Wir glauben erst, dass es ein Flugzeug ist, aber die anderen Leute auf dem Parkplatz schauen ganz angespannt auf die gegenüberliegende Bergwand. Dort hat sich eine große Lawine aus Schnee und Gestein gelöst und bahnt sich den Weg nach unten. Es staubt wahnsinnig doll. Nun können wir aber ganz genau verstehen warum es gerade jetzt in den Bergen so gefährlich ist. Später löst sich noch eine kleinere Lawine an dieser Wand. Als wir nachts einen Spaziergang machen und die abgegangene Lawine genauer erkennen können, sehen wir, dass sie sogar die Straße 868 zwischen Furuflaten und dem Tunnel Richtung Lyngseidet weggerissen hat. Die Aufräumarbeiten haben anscheinend sofort begonnen. Wir sind vor ein paar Stunden noch dort langgefahren und hoffen, dass niemand verletzt wurde. Markus ruft uns morgens an und so erfahren wir, dass die Leute im Tunnel schon gemerkt haben, dass irgendetwas nicht stimmt und rechtzeitig angehalten haben. Es ist wohl auch schon lange im Gespräch den Tunnel zu verlängern, aber bisher konnte es nicht durchgesetzt werden. Durch solch eine Straßensperrung müssen die Anwohner einen riesigen Umweg fahren, um wieder zurück zu kommen, weil es nur diese eine Straße gibt.

Strand Pollneset
Ausblick von Pollneset
Lawine

Wir fahren aber weiter nach Norden. In Lyngseidet suchen wir nach dem Weihnachtswichtel, dem Julenissen. Da er doch recht groß ist und direkt am Fährhafen steht, finden wir ihn sehr schnell. Als wir vor ein paar Wochen hier waren und die Fähre nach Olderdalen genommen haben, haben wir ihn trotzdem übersehen.

Julenissen

Uns wurde ein schöner Platz ganz im Norden der Halbinsel empfohlen und in der Nähe des Berges Russelvfjellet finden wir auch einen schönen Stellplatz am Wasser. Wir wandern den Rundweg entlang und kommen schließlich zu einer kleinen Schutzhütte. Sie wurde 1986 von zwei Deutschen wieder aufgebaut und wird seitdem regelmäßig genutzt, wie man in den Hüttenbüchern lesen kann. Sie ist wahnsinnig gemütlich und wir könnten uns vorstellen hier auch zu übernachten, aber weil der Weg zum Bus nicht so weit ist, kommen wir später noch mal wieder und genießen die Mitternachtssonne. Wir können auch wieder ein paar kleine Wale entdecken.

Hütte und Leuchtfeuer
Schutzhütte auf Lyngenhalbinsel
in der Schutzhütte
Mitternachtssonne

Weil das Profil des vorderen Reifens auf der Fahrerseite schon sehr abgefahren ist, suchen wir uns einen geeigneten Parkplatz, um diesen dort gegen das Ersatzrad zu tauschen. Als wir gerade anfangen wollen, kommen 2 Wanderer mit ihrem Hund zurück. Wir kommen gleich ins Gespräch und erzählen fast 3 Stunden über das Reisen und wie sich die Landschaft hier in den letzten Jahren verändert hat. Sie bieten uns auch an ihr altes Haus in Kautokeino zu kaufen, aber erstmal wollen wir doch noch ein bisschen reisen. 😊 Der Radwechsel klappt recht schnell. Die Bedingungen sind auch um einiges besser als beim letzten Mal.

Für die Nacht fahren wir aber zum nicht geschotterten Bereich des Rastplatzes in der Nähe des Flusslaufes. Am Morgen starten wir dann eine Wandertour zum Blåvatnet. Nach nur wenigen 100 Metern müssen wir allerdings schon den Flusslauf kreuzen. Dort liegen zwar ein paar Bretter zum Rübergehen auf den Steinen, aber durch das starke Schmelzwasser liegen auch diese schon im Wasser. Also heißt es für uns Schuhe aus und durch. Das Wasser ist eiskalt, aber trotzdem irgendwie angenehm. Der Weg zum See ist sehr gut markiert und an den meisten Stellen liegt auch kein Schnee mehr. Auf den umliegenden Bergen können wir die Gletscher erkennen, aber eine Tour auf die Berge wollen wir nicht wagen, weil noch immer starke Lawinen- und Erdrutschgefahr ist. Der Blåvatnet selbst ist leider auch noch zugefroren und so können wir seine beeindruckend blaue Farbe gar nicht sehen. Die Aussicht auf den Store Jægervasstinden mit einer Höhe von 1.543 Metern ist trotzdem wahnsinnig schön.

Flusslauf - Weg zum Blåvatnet
Weg zum Blåvatnet
Steiniger Weg zum Blåvatnet
Blåvatnet gefroren

Wir fahren mit der Fähre von Svensby in Richtung Tromsø. Dieses Mal ist recht viel los und die Fähre ist fast voll. Wir fahren wieder nur durch bzw. unter der Stadt durch weiter nach Kvaløya. Unser erster Halt ist in Ersfjordbotn, weil hier fast 100 Kletterrouten zu finden sein sollen. Wir parken auf dem Platz an der ausgeschilderten Wanderroute und machen uns auf die Suche nach dem Spot. Leider liegt hier in den Bergen entweder noch sehr viel Schnee oder es steht alles unter Wasser. Weil es auf der Insel aber noch viel mehr Kletterspots gibt, fahren wir einfach weiter in Richtung Brensholmen. Für die Nacht finden wir wieder einen tollen Rastplatz direkt am Wasser und freuen uns über die vielen Vögel dort. Ein paar Möwen schimpfen allerdings ganz schön doll mit uns und als sie sich wieder beruhigt haben, sehen wir auch warum. Eine Möwe sitz auf einer alten Feuerstelle etwa 20 Meter hinter uns und hat dort anscheinend ihr Nest gebaut. Wir verhalten deshalb sehr ruhig und trauen uns gar nicht mehr raus.

auf Kvaløya

In Brensholmen gibt es nicht sehr viele Parkmöglichkeiten, deshalb bleiben wir erstmal am Fähranleger stehen. Von hier aus fährt alle 2 Stunden eine Fähre nach Senja. Wir packen unsere Klettersachen zusammen und erkunden die Kletterspots. Der Weg dorthin führt an einem kleinen Strand vorbei an dem auch häufiger gezeltet wird, was wir an den zahlreichen Feuerstellen erkennen können. Wir finden schnell die ersten Routen. Für dieses Gebiet haben wir leider keine Bewertungen, deshalb probieren wir sie einfach aus. Wir entdecken schöne und auch anspruchsvolle Routen und von oben haben wir dann eine tolle Aussicht auf Senja. Nach ein paar Stunden machen wir uns wieder auf den Rückweg und nun stehen auch schon Zelte an dem Strand und einige Grills wurden angemacht.

Felsen bei Brensholmen

Weil wir nicht direkt am Fähranleger stehen bleiben wollen suchen wir uns für die Nacht einen Rastplatz kurz vor der Brücke auf die Insel Sommarøya. Der liegt zwar direkt am Straßenrand, aber weil hier nicht viel Verkehr ist, können wir hier wieder eine ruhige Nacht am Wasser verbringen.

Am Wochenende wird es etwas voller an den Kletterrouten. Wir suchen uns immer wieder ein paar freie und üben das Vor- und Nachsteigen, das Bauen von einem Standplatz und werden noch routinierter im Abseilen. Die Temperaturen steigen auf über 20 Grad und in der Sonne ist es zweitweise sehr anstrengend. Nun wird es langsam wirklich Zeit, dass wir uns Sonnencreme besorgen.

Klettern Brensholmen
Klettern - Standplatz

Zurück an dem tollen Rastplatz wandern wir aber trotzdem noch auf eine Anhöhe und haben von dort eine tolle Aussicht auf die umliegenden Inseln. Das türkise Wasser und die vielen kleinen Inseln mit Sandstränden erinnern ein wenig an Bilder aus der Karibik. So hätten wir uns die Polarregion gar nicht vorgestellt. Auf den Stellplätzen an der Straße wird es langsam eng, weil immer mehr Wohnmobile und Zelte dazukommen. Wir haben aber einen etwas erhöhten Platz und sitzen noch lange draußen in der Mitternachtssonne.

Brücke Sommarøya

Nach einer weiteren Klettern-Session fahren wir zurück auf den Rastplatz, wo die Möwe sich das Nest in einer Feuerstelle gebaut hat. Jetzt ist es allerdings sehr voll, aber wir können trotzdem an einem ruhigen Platz direkt am Fluss stehen. Dieses Mal auch extra weit weg von dem Nest.

Es ist nun bereits Mitte Juni und wir informieren uns über die ab 15. Juni geöffneten Grenzen. Wir wollen die ersten Tage abwarten, aber in der nächsten Woche weiter nach Finnland fahren. Irgendwie ein komisches Gefühl nach so einer langen Zeit, wir haben uns ja sehr an die Umgebung gewöhnt. Zum Abschluss unseres Besuches in Norwegen fahren wir noch einmal zurück zu Markus und lassen dort bei einem kühlen Bierchen diese tolle Zeit ausklingen. Auch ein paar kleine Wale kommen vorbei. Wir nehmen viele Eindrücke und tolle Erlebnisse mit und freuen uns, dass wir hier so tolle Menschen kennenlernen durften.

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