Über zwei Grenzen nach Rumänien

Über zwei Grenzen nach Rumänien

Bevor wir uns auf den Weg zur Grenze machen, ist noch ein Abstecher nach Izmail (Iзмaïл, russ.: Измаил) geplant. Wir fahren durch die Stadt und halten am Donauufer. Auf der anderen Seite des Flusses ist schon Rumänien zu sehen. Leider gibt es hier keine Fähre die uns nach Rumänien bringt. Deshalb müssen wir noch etwas durchs Donaudelta, um dann erst durch Moldawien nach Rumänien zu fahren.

Der Grenzübergang ist recht klein und es warten auch nicht sehr viele Fahrzeuge. Als erstes müssen wir aus der Ukraine ausreisen und in Moldawien einreisen. Alles passiert in einem Gebäude und wir sind uns nicht sicher in welcher Reihenfolge wir uns an die verschiedenen Beamten wenden müssen. Der ukrainische Grenzbeamte möchte als erstes in unser Fahrzeug sehen und lässt sich innen ein paar Schrankinhalte zeigen. Er fragt uns auch nach Souvenirs und Medikamenten. Als wir ihm mit einfachen Russisch antworten, freut er sich und ist mit seiner Kontrolle schnell fertig. Dann muss nur noch Peppi ausreisen und wird als VW LT eingetragen, weil eine andere Klassifizierung nicht möglich ist bzw. mit der Hersteller-Kurzbezeichnung „Arbeitsgem. VW-MAN“ kann keiner etwas anfangen.😊

Die Einreise in Moldawien funktioniert dann genauso. Ein Zollbeamter kommt mit uns zum Fahrzeug und schaut sich alles an. Er fragt uns nur wo wir denn surfen wollen. Wir erzählen ihm dann ein bisschen von den Stränden am Schwarzen Meer und sind auch mit dieser Kontrolle schnell durch. Für das Fahrzeug müssen wir noch eine Vignette für Moldawien kaufen, die in der kleinsten Variante für 10 Tage 7 Euro kostet.

Wir fahren dann etwa 2 Kilometer durch Moldawien an den nächsten Grenzposten. Und schon fängt das Spiel von vorne an. Aus Moldawien ausreisen und nach Rumänien einreisen. Auf der moldawischen Seite wird nur kurz ins Fahrzeug geschaut und die Pässe kontrolliert und nach weniger als 10 Minuten können wir zu den rumänischen Beamten. Dort werden 4 Fahrzeuge gleichzeitig bearbeitet. Für EU-Bürger ist es hier ganz leicht, es gibt auch keinen Stempel mehr. Alle Grenzübergänge haben zusammen etwa 2 Stunden gedauert. Etwas später erfahren wir, dass bei anderen Reisenden teilweise 3 und mehr Beamte im Fahrzeug waren und jeden Schrankinhalt sehen wollten, wodurch sich die ganze Prozedur sehr in die Länge gezogen hat. Wir haben allerdings nur gute Erfahrungen gemacht.

In Rumänien braucht man für sein Fahrzeug wieder eine Vignette (hier Rovignette genannt). Die kann man auch ganz leicht an den Tankstellen in Grenznähe kaufen. Wir haben uns dabei aber ein bisschen übers Ohr hauen lassen. Im Vorfeld haben wir uns über die verschiedenen Fahrzeugklassen auf der Seite des ADAC informiert, der Tankwart hat aber zwei Klassen für uns gebucht. Weil eine Kartenzahlung für die Vignette angeblich nicht möglich war und wir noch kein rumänisches Geld hatten, haben wir für 4 Wochen 50 Euro gezahlt. Auf der Rechnung haben wir dann später gesehen, dass es eigentlich knapp 30 Euro gewesen wären. Mit einer richtigen Einstufung wären es sogar nur um die 10 Euro gewesen. Naja, es gibt Schlimmeres, nächstes Mal sind wir klüger.

Nachdem wir uns an einem Geldautomaten ein paar Lei (RON) geholt haben, fahren wir durch die siebtgrößte Stadt in Rumänien, Galaţi. Dort ist alles etwas schwierig, weil viele Straßen nicht für LKW oder Fahrzeuge über 3,5 t zugelassen sind. Wir müssen immer wieder einen Umweg fahren und als wir es endlich durch die Stadt geschafft haben, ist auch die einzige Straße raus aus der Stadt nur bis 3,5 t freigegeben. Da überall die Polizei steht, fahren wir erst durch ein Wohngebiet und schließlich einen Feldweg entlang, der parallel zur Straße verläuft. In Brăila fahren wir an den Fährhafen und wollen versuchen uns dort auf die andere Seite der Donau übersetzen zu lassen. Auf dem Schild vor der Kasse steht wieder, dass nur Fahrzeuge bis 3,5 t auf die Fähre dürfen, aber die nette Kassiererin ruft den Kapitän an und fragt nach. Wir sehen ihn von weitem kurz um die Ecke schauen und schon winkt er uns ran. Wir zahlen umgerechnet etwa 10 Euro, aber sparen uns dafür einen Umweg von fast 200 km.

Die Landschaft wird immer schöner. Wir fahren wieder weiter ins Donaudelta und bleiben auf einem Campingplatz in Murighiol (Camping Salicia). Dort können wir auch mit einem Kapitän sprechen, der mit uns am nächsten Tag eine Bootstour durch das Delta macht. Der Campingplatz ist sehr familiär, abends sitzen alle zusammen und der Inhaber kocht für alle Gäste. Für heute sind wir allerdings etwas spät dran.
Am nächsten Morgen werden wir vom Kapitän persönlich abgeholt und zum Boot gebracht. Wir sind alleine auf dem Boot und können die Natur 3 Stunden lang genießen, soweit dies möglich ist da uns die Anzahl an Touristen schon sehr überrascht.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz wollen wir noch ein paar Lebensmittel einkaufen und gehen zu Fuß durch das Dorf. Als wir gerade die Straße entlang gehen, kommt uns ein großer, blauer LKW entgegen, Paulchen-on-Tour ist wieder da. Achim und Andrea wollen auch eine Bootstour machen und schauen sich bei den verschiedenen Anbietern um. Wir erzählen ihnen von unserem Platz und dem netten Koch. Schließlich bleiben wir noch eine zweite Nacht dort, machen uns einen schönen Abend mit vielen Geschichten.

Camping Salcia
Camping Salcia

Die beiden haben ihre Tour ins Delta etwas früher gestartet und so konnten sie viele Pelikane und sogar einen Eisvogel fotografieren. Wir machen uns auf den Weg in Richtung Küste, weil es in den nächsten Tagen etwas windiger werden soll und die Hoffnung besteht, dass Kiten möglich ist. Wir haben ein paar Tipps für Stellplätze bekommen und fahren einen Strand an, der aber leider nicht mehr so geheim ist. Und wen treffen wir wieder? Natürlich Achim und Andrea. Wir stellen uns zusammen hinter die Dünen und genießen das schöne Wetter. Der versprochene Wind kommt etwas später und leider nicht so stark wie angesagt, aber für eine kurze Session reicht es. Das Baden macht auch nicht so viel Spaß, weil sehr viele kopfgroße Quallen unterwegs sind.

Kitesurfen Plaja Vadu
Kitesurfen Plaja Vadu
Plaja Vadu
Sonnenuntergang Plaja Vadu

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von den beiden, die sich jetzt auf den Weg nach Bulgarien machen. Wir fahren weiter ins Landesinnere, in die Region der großen Walachei und in das erste Klettergebiet „Cheile Dobrogei“. Die Gegend ist als Naturreservat ausgewiesen, weil hier fast 600 mediterrane Pflanzenarten zu finden sind. Die Routen sind etwa 15 bis 20 m lang und haben verschiedene Schwierigkeitsgrade. Anfangs ist es etwas ungewohnt am richtigen Felsen, aber wir freunden uns schnell damit an. Wir wechseln die Felsen einige Male und zwischendurch kommen auch einheimische Kletterer vorbei. Sie geben uns viele hilfreiche Tipps und zum Abschied schenken sie uns viele Trauben und eine Melone.

Cheile Dobrogei
Cheile Dobrogei

An Bukarest fahren wir vorbei. Auf der Autobahn müssen wir an einer Station eine zusätzliche Mautgebühr zahlen. Leider war die Verständigung etwas schwierig und wir zahlen statt 12 Lei für einen Camper 47 Lei (ca. 10 Euro) für einen LKW. In Târgoviște wurde Vlad III. Drăculea in sein Amt eingeführt, weshalb es dort einige touristische Anlaufpunkte gibt. Leider ist die Innenstadt etwas zu eng für uns und die Höhenbegrenzungen von 2,5 m macht es schwierig einen guten Parkplatz zu finden.

Deshalb fahren wir weiter in die Berge. Uns wurde davon abgeraten nach Bran, zum gleichnamigen Schloss Bran, zu fahren, weil dort der Touristenandrang gerade in den Sommermonaten sehr groß ist. Wir lassen uns die Möglichkeit noch offen und machen erst noch einen Abstecher nach Sinaia, wo es noch mehr tolle Kletterspots geben soll. Leider sind dort viele Wege gesperrt und wahnsinnig viele Touristen unterwegs. Wir versuchen einen ruhigen Ort für die Nacht zu finden, aber hier ist es wirklich schwierig. Wir fahren also raus aus Sinaia und plötzlich tauchen links und rechts entlang einer Straße richtige Ansammlungen von Dauercampern auf. Abgesteckte Gebiete, Vorzelte und was sonst noch alles dazu gehört. Es scheint nicht offiziell aber geduldet zu sein.

Wir suchen uns einen kleineren Platz am Flusslauf und machen uns endlich etwas zu essen.

Überall an den gesperrten Waldwegen waren Schilder befestigt, die auf die Gefahr durch Bären in dieser Region hinweisen. Weil uns schon gesagt wurde, dass es sehr unwahrscheinlich ist einen Bären zu sehen, haben wir keine große Hoffnung. Nachts werden wir aber plötzlich wach. Etwas durchwühlt den rumliegenden Müll. Wir schauen aus dem Fenster und entdecken tatsächlich einen Bären, keine 5 Meter von unserem Bus entfernt. Und die Plastikschälchen knacken wieder, als dann noch 3 kleine Bären hinter unseren Bus hervorkommen und zu ihrer Mutter gehen. Sie spielen ein bisschen und die Mutter sucht weiter nach Fressen. Wir trauen uns nicht uns zu bewegen und bei der Dunkelheit ein Bild zu machen, wäre auch eher schwierig gewesen. Nachdem hier alles untersucht wurde, gehen sie weiter in Richtung des großen Camps. Ein paar Minuten später ertönen Bärenhupen, die Autoscheinwerfer werden angemacht und es wird gehupt. Anscheinend sind die 4 dort angekommen. 🙂

Morgens ist es noch angenehm kühl und wir können mal wieder so richtig ausschlafen. Als wir aber sehen, dass die Touristen hier mit Bussen den Berg hinaufgefahren werden, entscheiden wir uns doch dagegen hier wandern zu gehen und fahren lieber weiter in Richtung Bran. Auf der Strecke haben wir eine tolle Aussicht auf die Berge in der Umgebung. Das Wetter ändert sich hier schnell und plötzlich gewittert es. Der Regen wird immer stärker, der Donner ist herrlich laut und die Blitze scheinen in die Berge einzuschlagen. Wir kommen nicht sehr schnell voran, weil entweder Stau ist oder wir an einer Bau-Ampel stehen.
In Bran ist es natürlich wieder sehr voll, eben einer der Touristen-Hotspots. Wir wollen aber trotzdem bleiben und entscheiden uns dazu auf einem Campingplatz (Vampire Camping – 25 Lei/Person + 28 Lei) zu bleiben und von dort aus zu Fuß zum Schloss zu gehen.

Bran
Schloss Bran

Der Eingang zum Schloss ist eine Souvenirmeile, dort bekommt man einfach alles, von Kleidung über Spielzeuge und vieles mehr. Und wieder stehen wir im Stau. Die Masse an Menschen drückt sich langsam voran und durch die Räume. Wir sind uns einig, dass wir das so nicht wieder machen würden. Obwohl das Schloss wirklich schön und interessant ist.

Wir nutzen den Aufenthalt auf dem Campingplatz aber um das Fahrzeug zu warten und ausgiebig zu duschen.

Wir fahren weiter in die Berge zu einem Klettergebiet. Dort finden wir einen guten Stellplatz und müssen noch ein bisschen durch den Wald wandern, um zu dem Gebiet zu kommen. Es gibt ein paar Höhlen die erkundet werden können und Schilder an denen die hier lebenden Tiere und die Kletterrouten abgebildet sind. Wir schauen uns ein paar Routen an und wollen unsere Klettersachen nachholen. Nächstes Mal nehmen wir sie lieber gleich mit. 😉 Der Weg zurück ist recht anstrengend und dann fängt es auch noch an zu regnen. Deshalb geben wir den heutigen Plan auf und fahren weiter.

tief hängende Leitung

Einen abenteuerlichen Weg entlang, müssen wir sogar ein Stromkabel über das Auto heben, weil es leider etwas niedrig hängt. Der Weg endet in einer Sackgasse bzw. an einem Schild eines Privatgrundstückes. Der eigentliche Track kann nicht mit einem Fahrzeug befahren werden und wir drehen erstmal um. Auf einer Lichtung stellen wir den Bus ab und wollen uns ein paar alte und verfallene Häuser anschauen. Im einem Keller liegt allerdings ein riesiger Hund und wir gehen ganz schnell wieder zurück.
Als wir gerade unser Abendessen machen, kommt ein Anwohner vorbei und erklärt uns, dass im Tal nachts sehr viel los ist. Dort gibt es anscheinend viele Bären und wilde Hunde. Deshalb bietet er uns an, dass wir uns auf sein Grundstück stellen können. Wir nehmen das Angebot gerne an und fahren wieder in die Sackgasse auf das Privatgrundstück. Da die Pfanne schon warm war und wir uns Bier eingegossen haben, habe ich die Pfanne auf dem Schoß und das Bier in der Hand. Es ist eine spannende Fahrt und als wir den Berg zum Parkplatz hinunterfahren kommt das Auto ein bisschen ins Rutschen und ich falle fast vom Sitz. Wir stellen uns an den Rand und genießen die Aussicht und unser Essen.
Philippe, der hier in dieser wunderschönen Gegend wohnt, kommt erst mitten in der Nacht zurück. Am nächsten Morgen erfahren wir, dass er Franzose ist, sich in Land und Leute verliebt hat und seit fast 20 Jahren hier lebt.

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