Willkommen in der Ukraine

Willkommen in der Ukraine

Die erste Nacht haben wir an einem kleinen See in der Nähe von Frankfurt (Oder) verbracht. Auf dem Weg nach Polen wollen wir noch neue Batterien einbauen, weil unsere derzeitigen die Spannung nicht lange halten. Wir wollen uns nicht die ganze Reise darüber ärgern, also fahren wir zum Baumarkt und kaufen uns die größten Batterien die es dort gibt (2 x 75 Ah). Den Wechsel machen wir natürlich gleich auf dem Parkplatz vor Ort, um die defekte Batterie abgeben zu können.

Endlich in Polen angekommen, stehen wir auch schon im Stau. Da Peppi ein Fahrzeug mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 t ist, benötigen wir für die Autobahnen eine Mautbox. Diese kann man sich nur an bestimmten Distributionsstellen holen. Auf der Suche danach; werden wir zu verschiedenen Tankstellen geschickt, bis uns ein Tipp von einem Trucker gegeben wird. Wir gehen über eine Baustelle und müssen durch ein Loch im Zaun, um zur Ausgabestelle zu kommen. Dort klappt dann alles recht schnell. Wir bezahlen 120 Złoti für die viaTOLL-Box und lassen 150 Złoti auf das Gerät aufladen. Bei der Durchfahrt einer Mautstation piept das Gerät dann und verrechnet den Betrag. Da wir schon ein bisschen hinter unserem Plan liegen, entscheiden wir uns doch mehr die Autobahn zu nutzen, um schneller voran zu kommen. Am nächsten Tag beginnt die Mautbox schon nach kurzer Zeit zwei Mal zu piepen, was bedeutet, dass das Guthaben bereits gering ist. Leider kann man selbst das Guthaben nicht auslesen. Es gibt zwar auch eine App zum Auslesen und Aufladen, aber die Daten für Registrierung fehlen uns. Wahrscheinlich hätten wir das gleich in der Ausgabestelle angeben müssen. Wir fahren jede mögliche Tankstelle an, weil man dort das Guthaben aufladen können soll. Leider ist das nicht so. Wir bekommen aber den Hinweis, dass das nicht bei einer Tankstelle an der Autobahn möglich ist. Wir fahren also runter und sind erleichtert als wir endlich ein großes „viaTOLL“-Schild sehen. Die Aufladung geht dann ganz einfach an der Kasse. Wir haben wieder sehr viel Zeit benötigt und kommen erst spät in die Nähe der ukrainischen Grenze. Deshalb entscheiden wir uns für einen Rastplatz kurz vor Grenze als Nachtlager.

 

 
 
 
 
 
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Die polnisch-ukrainische Grenze in Korczowa: Auf der Autobahn können wir uns in ein Ampelsystem einordnen und kommen recht schnell voran. Da unser Fahrzeug etwas größer ist als ein PKW, sind sich die Zollbeamten nicht immer ganz sicher. Wir werden zwar zur Waage geschickt, aber dann doch nicht gewogen. Die Pass- und Zollkontrolle sind sehr unkompliziert. Es werden außer den Pässen und dem Fahrzeugschein keine weiteren Unterlagen wie Versicherungsnachweis oder internationaler Führerschein benötigt und auch die Besichtigung wird kurz von außen gemacht. Wir bekommen nur einen kleinen Laufzettel der nach jeder Kontrolle abgestempelt wird und müssen ihn am letzten Tor auch wieder abgeben. Allerdings sind wir sehr verwundert, weil wir in unserem Pass keinen Einreisestempel finden können. Trotzdem sind wir nach etwa 45 Minuten auf ukrainischen Straßen unterwegs.

Der erste Stopp soll Lviv (Lemberg) sein. Die Straßen sind nicht sehr gut und in der Stadt selbst ist es noch schlimmer. Die Fahrspuren sind sehr tief und nicht nur kleine Fahrzeuge haben damit so ihre Probleme. Dazu kommt der starke Regen und die entstandenen Pfützen die die tiefen Schlaglöcher verdecken. Camping- oder andere Stellplätze sucht man in der Stadt leider vergebens. Glücklicherweise haben wir gelesen, dass es die Möglichkeit gibt bei einem Hotel an der alten Trapprennbahn zu stehen. Dort gibt es eine kleine Stellfläche und auch Toiletten und Duschen. Die Rennbahn wird nicht mehr genutzt, aber ein paar Pferde und Hunde laufen auf der Koppel herum. Als kleine Überraschung wartet www.paulchen-on-tour.de auf uns. Die beiden nehmen uns auch gleich die Unsicherheit wegen dem Einreisestempel im Pass, der bei ihnen auf der wirklich letzten Seite ganz unten ist. So ist es dann auch bei uns. Wir bekommen noch einige Tipps für die Erkundung der Stadt, aber dann fahren sie schon weiter. Sie wollen über Rumänien und Bulgarien in die Türkei, aber das Hauptziel soll Georgien sein. Wir tauschen ein paar gefundene Stellplätze in Rumänien aus und verabschieden uns dann wieder.

Wir fahren mit dem Bus in die Innenstadt. Es ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, weil der Bus nur an den Haltestellen hält, wenn man den Arm raushält. Allerdings muss man rechtzeitig die Nummer auf dem Bus erkennen. Neben den normalen Linienbussen gibt es noch kleinere Stadtbusse mit einem nicht so leicht zu durchschauenden System. Deshalb ist es auch eher etwas für die Einwohner. Wir haben es gleich geschafft, den richtigen Bus zu erwischen und sind sofort begeistert von der zwischenmenschlichen Freundlichkeit. Die Menschen sind sehr höflich untereinander und wenn jemand im hinteren Teil des Busses einsteigt, wird das Geld zum Busfahrer durchgegeben.

Die Innenstadt ist sehr schön. Die alten Häuser und Fassaden sind beeindruckend. Auf und um den Marktplatz herum findet man die ganz normalen Touristenattraktionen. Wir gehen deshalb immer mehr in die Seitenstraßen und finden den Bierlin Pub. Dort fragen wir nach einem regionalen Bier und bekommen ein paar kleine Gläser zum Testen. Das Ambiente ist sehr gemütlich und man könnte hier auch gut noch viel länger sitzen. Wir suchen uns aber noch ein nettes Restaurant und können im „Green“ tolles und frisches Essen genießen. Nachdem wir uns noch weiter umgeschaut haben, kehren wir aber in den Bierlin Pub zurück. Den Rückweg zum Stellplatz legen wir zu Fuß zurück, so können wir etwas mehr von der Umgebung erkunden. Im Stadtpark laufen uns viele Eichhörnchen über den Weg und in einem Wohngebiet entdecken wir interessante Bilder.

Zurück am Stellplatz kommt ein Renault 19 mit einem kleinen Wohnanhänger aus Leipzig auf den Hof gefahren. Wir kommen mit den beiden ins Gespräch und setzen uns auch abends noch zusammen. Der Renault hat über 500.000 km auf dem Tacho und sieht noch immer super aus. Die beiden waren schon früher viel unterwegs und waren in Ägypten, Syrien, Libanon und vielen weiteren Ländern und füllen den Abend mit zahlreichen interessanten Geschichten.

Als wir uns auf den Weg in Richtung Odessa machen, stehen wir auf der Ortsumgehung wieder im Stau. Weil Christopher sehr gut darin ist, schöne und spannende Umfahrungen zu finden, nutzen wir ein paar kleinere Wege. Diese führen uns durch viele kleine Dörfer und bringen uns zu einem schönen Platz an einem See. Dort treffen wir zwei Angler mit ihrem Hund die Nachtangeln wollen. Wir werden gleich auf ein Glas Wein eingeladen und versuchen uns mit schlechtem Russisch unserseits und dem schlechten Englisch der Angler zu verständigen. Zum Abschied am Morgen wird uns wieder ein Glas Wein angeboten, das wir aber dieses Mal ablehnen müssen. Wir bekommen auch frischen Fisch angeboten, aber da wir keinen essen wollen wir diesen nicht annehmen. Daraufhin werden uns zahlreiche Birnen gebracht die wirklich wahnsinnig lecker sind.

Die Straßen sind hier schon besser und wir kommen gut voran. Allerdings werden wir ständig überholt, weil wir uns genau an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten wollen. Wir haben viel über die ukrainische Polizei und deren Praktiken gehört. Von anderen Reisenden haben wir erfahren, dass für angebliche Verstöße hohe Strafen verlangt werden. Deshalb achten wir penibel auf die Verkehrsregeln.

Als wir in der Nähe von Odessa sind und der Verkehr wieder mehr wird, sind wir uns schnell einig, dass wir nicht wieder durch die Innenstadt fahren wollen. Es staut sich wieder auf der Umgehung, aber wir kommen zu einem Campingplatz direkt an der Steilküste. Eine Nacht für zwei Personen kostet hier 60 UAH und man kann seinen Müll entsorgen. Duschen und Toiletten sind auch vorhanden, aber wir haben sie uns gar nicht angesehen. Die Aussicht auf das Schwarze Meer ist atemberaubend und die Atmosphäre auf dem Platz ist sehr gemütlich und zwanglos. Ein paar Leute tanzen und singen zur Musik einer Karaokemaschine und es wird überall über offenem Feuer gekocht. Wir gehen baden und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Campingplatz Schwarzes Meer im Süden von Odessa
Campingplatz Schwarzes Meer im Süden von Odessa vom Wasser aus

Weiter im Süden von Odessa gibt es einen freien Campingplatz direkt am Strand. Um dort hin zu kommen muss man allerdings über eine riesige Promenade. Diese Gegend ist touristisch gut erschlossen und neben den Hotelanlagen gibt es einen Aquaparkt und viele weitere Aktivitäten. Die vielen Menschen und Fahrzeuge in den engen Straßen bringen uns ganz schön ins Schwitzen, aber umdrehen ist jetzt keine Alternative. Als wir dann endlich am Strand ankommen, quält sich Peppi doch sehr in dem weichen Sand und wir lassen etwas Luft ab. Beim Umdrehen für die perfekte Schlafposition fahren wir uns aber trotzdem fest und müssen ein bisschen buddeln. Um uns zu helfen, bringt uns ein Ukrainer eine große Platte die wir unter die Räder legen können. Er sagt, dass er das mal im Fernsehen in einer Dokumentation über die Rallye Dakar gesehen hat und hofft, dass es uns hilft. Wir lassen nochmals Luft ab bis wir auf 1,9 Bar runter sind. So schafft es Peppi aus dem tiefen Sand und wir können es uns gemütlich machen. Beim Spaziergang an einer Schilfkante werden wir von Mücken überrascht und müssen gleich noch mal ins Wasser, um den Juckreiz entgegenzuwirken.

Am Schwarzen Meer im Sand eingegraben
Am Schwarzen Meer in Satoka

Um nicht wieder über die volle Promenade fahren zu müssen, fahren wir früh am Morgen los und es lohnt sich tatsächlich. An einem Stand an der Straße halten wir, weil wir unbedingt noch Wein aus der Region kaufen wollen. Eigentlich dachten wir, dass wir einfach zwei Flaschen kaufen können, aber wir werden auf das Grundstück der alten Dame zur Verkostung eingeladen. Da Christopher fahren muss, bleibt dies nur an einem hängen. Den Anfang macht der hauseigene Slivović und es folgen fünf Sorten Wein und außerdem ein Cognac und das morgens um 9 Uhr. Die Gastfreundlichkeit der Familie ist einfach umwerfend. Wir kaufen ein paar Flaschen und machen uns dann auf den Weg nach Bessarabien.

Den kleinen Umweg nach Klöstitz haben wir eingeplant, weil die Oma von Christopher als Kind hier gewohnt hat und nach dem 2. Weltkrieg zu Fuß nach Deutschland fliehen musste. Das Dorf ist gar nicht so klein und wir suchen uns einen Parkplatz. Mit unserem Fahrzeug bleiben wir jedoch nicht lange unbemerkt und werden von einem Einwohner zum Bier eingeladen. Leider hat der Pub noch geschlossen und wir gehen ein bisschen durch die Straßen. Die Verständigung ist nicht ganz einfach, aber als wir erwähnen, dass wir wegen der Großmutter von Christopher hierhergekommen sind, telefoniert er mit einer Lehrerin von der Schule die dort Deutsch unterrichtet. Uns ist das alles etwas unangenehm und hoffen keine Umstände zu machen. Anna erklärt uns, dass viele Menschen nach Klöstitz kommen und es Zeiten gab in denen ganze Reisebusse in das Dorf kamen. Sie zeigt uns die verschiedenen Gedenkstätten und erzählt uns viel über die Geschichte der Anwohner. Um uns noch Bilder und verschiedene Karten zu zeigen, lädt sie uns zu sich nach Hause ein. Wir erfahren, dass häufiger Treffen in Deutschland stattfinden und es ein Museum über die Geschichte in Stuttgart gibt. So viele Informationen hatten wir gar nicht erwartet.

Klöstitz Gedenkstein
Klöstitz Konsum

Beeindruckt von der Freundlichkeit und den vielen Eindrücken, suchen wir uns einen stillen Ort für die letzte Nacht in der Ukraine.

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