Unter Polarlichtern auf den Lofoten

Unter Polarlichtern auf den Lofoten

Am Morgen scheint die Sonne und wir wollen weiter nach Bodø, um dort die Fähre auf die Lofoten zu nehmen. Als wir uns gerade auf den Weg machen wollen, bemerken wir, dass wir einen Platten haben. Dass das jetzt schon in Norwegen passiert, hätten wir ja nicht gedacht. Wir wechseln das Ventil und versuchen erstmal Luft aufzupumpen, weil wir am Mantel des Reifens keine Beschädigung entdecken können. Doch es zischt weiter und wahrscheinlich ist etwas am Schlauch kaputt. Also machen wir uns dran den Reifen zu wechseln. Da wir bereits im Sommer alle Reifen durchgetauscht haben, sind wir ein eingespieltes Team und alles läuft super. Bis ein Schneesturm uns dazwischen kommt. Christopher versucht noch den Reifen von der Felge zu lösen, aber der Felgenring sitzt zu fest und bei den Bedingungen packen wir zusammen und bleiben noch eine weitere Nacht auf dem Parkplatz stehen.

Weil ja nun unser Ersatzrad beschädigt ist, suchen wir eine LKW-Werkstatt in Bodø. Allerdings ist Sonntag und so müssen wir noch einen Tag überbrücken und gehen etwas wandern. Wir finden einen großen und gut besuchten Parkplatz und gehen einen der ausgezeichneten Wanderwege zum See Tussvatnet. Hier ist ein großes Gebiet für Skilanglauf und es wird auch stark genutzt. Wir sprechen mit 2 netten Norwegern die uns erzählen, dass die Schulen usw. wegen dem Corona-Virus bereits seit einer Woche geschlossen sind und sie bereits Reisen zur Familie im Ausland absagen mussten.

Parkplatz Bodø Wander- u. Langlaufgebiet
Hütte am Wanderweg

Die Werkstatt liegt direkt an der Hauptstraße und lässt sich gut erreichen. Wir schildern kurz unser Problem und dürfen direkt in die Werkstatthalle fahren. Christopher und ich holen das kaputte Ersatzrad runter und ein Mitarbeiter wechselt den Schlauch, während wir das Ersatzrad wieder an seinen Platz bringen. Nach knapp einer Stunde sind wir mit allem fertig. Für das Wechseln bezahlen wir umgerechnet etwa 45 Euro und können sogar noch einen neuen Schlauch kaufen. Nach einem kurzen Stop am Supermarkt machen wir uns dann auf den Weg zum Fährhafen. Natürlich viel zu früh, stellen wir uns in die Reihe für die Fähre nach Moskenes.

Werkstatt in Bodø

Wir sind schon ganz aufgeregt als es endlich losgeht. Ein Ticket konnten wir vorher nicht kaufen. An dem Informationsschalter vor Ort war lediglich ein Hinweis, dass diese direkt beim Fährpersonal gekauft werden müssen. Als wir mit dem Einweiser sprechen und ihn nach dem Ticket fragen, sagt er nur: „No, it’s ok. It’s free.“ Wir sind sehr erstaunt und fahren mit einem komischen Gefühl weiter. Auf der Fähre selbst ist es gähnend leer. Ob es nur an der Jahreszeit liegt? Wir fragen einen anderen Passagier, der anscheinend einer der LKW-Fahrer ist, und der erklärt uns, dass es wegen dem Corona-Virus so ruhig geworden ist. So langsam werden wir auch etwas nachdenklicher was dieses Thema angeht. Wir haben natürlich auch gelesen, dass bereits einige Länder ihre Grenzen dicht gemacht haben bzw. starke Kontrollen eingeführt haben, aber nun scheint es immer ernster zu werden.

Nach etwa 4 Stunden kommen wir auf den Lofoten an und fahren auf einen kleinen Parkplatz in der Nähe des Hafens. Die Umgebung ist selbst im Dunkeln total atemberaubend. Vor uns sind wunderschöne weiße Berge und der beleuchtete Hafen.

Morgens werden wir von den zahlreichen Möwen geweckt. Wir fahren die E10 noch ein bisschen weiter nach Å und wandern an der Küste herum. Es regnet leider immer wieder, aber die tollen Bilder entschädigen uns auch dafür.

Å Ferienhäuser
Å Aussicht
Å im Süden der Lofoten
Å im Süden der Lofoten

Wir machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Nachtlager und finden einen Platz an dem es in der Saison Trinkwasser und eine Grauwasserentsorgung gibt, jetzt ist allerdings alles geschlossen. Da aber auch die Campingplätze geschlossen sind bleiben wir dort stehen. Wir haben eine idyllische Aussicht auf die umliegenden Berge und eine kleine Fischerbucht.

Panorama Leutturm Reine

Nach einer stürmischen Nacht fahren wir weiter in Richtung Norden an einen der schönen Strände. Leider hat auch hier der Campingplatz geschlossen und viele der Parkplätze sind mit „No Camping“ beschildert. Wir finden aber trotzdem einen schönen Platz mit einer tollen Sicht. Am Abend können wir von hier aus endlich Nordlichter sehen. Sie sind zwar noch recht schwach, aber in den nächsten Tagen sollen sie stärker werden und damit besser zu sehen sein.

Parkplatz bei Yttersand

Tagsüber gehen wir wandern und testen unser neues Equipment, die Steigeisen und Eispickel. Gerade bei starken Steigungen macht es sich schnell bemerkbar und erleichtert uns den Auf- und Abstieg.

Aussicht Yttersand
Yttersand Wandern

Am Abend wird unsere Ausdauer dann endlich belohnt. Als wir noch beim Essen sitzen, wundern wir uns schon warum es doch noch so hell ist. Als wir dann rausschauen, sehen wir diese hellen grünen Lichter. Wir stürmen nach draußen und genießen das Schauspiel. Schon komisch wie schnell man die Kälte vergisst. Die Lichter tanzen und zeigen uns noch mehr Farben.

Polarlichter über Peppi
Polarlichter Berge
Polarlichter
Polarlichter

Da ein Sturm aufziehen soll, wollen wir uns einen geschützteren Ort suchen und fahren ein Stück weiter nach Norden, wo wir in einem kleinen Tal bei Nusfjord einen Platz finden. So windgeschützt wie wir dachten, war es dann aber doch nicht. Der Bus wackelt sehr stark hin und her. Wir erkunden Nusfjord und anscheinend ist das ganze Dorf ein kleines Museum und zu anderen Zeiten gut besucht. Leider ist auch hier, bis auf den Landhandel, nichts geöffnet.

Stellplatz vor Nusfjord

Also machen wir uns auf den Weg zum Strand, denn in den nächsten Tagen soll der Wind gut zum Kiten sein. In der Nähe von Bø ist ein großer Parkplatz und auch ein Campingplatz für Surfer. Als wir ankommen sind bereits ein paar Schaulustige vor Ort, weil die Wellen atemberaubend schön sind. Zwei Wellenreiter sind auch schon auf dem Wasser und nach und nach treffen noch mehr ein. Wir schauen uns die Einstiegsmöglichkeiten an und schließlich baut Christopher alles am Strand auf. Leider wird ihm auf dem Wasser schnell klar, dass der Wind zu böig ist und wegen den umliegenden Bergen stark verwirbelt. Daher dauert die Session etwa 5 Minuten bis er den Kite auslösen muss. Etwas geknickt packen wir wieder alles zusammen und entwirren in den nächsten 2 Stunden die Leinen.

Kitesurfen Lofoten
Surfer Lofoten

In Haukland finden wir wieder einen schönen Stellplatz von dem aus wir eine schöne Wanderung starten können. Um sich zu erfrischen, startet Christopher den Tag mit einem Bad bei tollstem Sonnenschein. Die Wanderroute führt uns um einen Berg an einer tollen Küste entlang. Immer wieder finden wir kleine Rastplätze die wohl auch zum Grillen genutzt werden. Auf der anderen Seite des Berges gehen wir diesen etwas hinauf bis zu einem kleinen Bergsee und genießen von dort die Aussicht.

Baden
Wandern - Haukland
Aussicht - Haukland

Auch unser nächster Stellplatz bei Sandøya ist wieder sehr abgelegen, mit einer tollen 360°-Sicht. Der Weg ist zwar etwas aufgeweicht, aber gerade so etwas ist für Peppi kein Problem. Unsere Polarlicht-App zeigt uns an, dass wieder eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, deshalb hoffen wir auf freie Sicht. Leider zieht sich der Himmel gerade abends immer wieder zu und wir können lediglich ein leichtes Leuchten hinter den Wolken erkennen.

Übernachtungsplatz bei Sandøya
Weg zum Platz

Es ist wieder kälter geworden und der Boden ist nicht mehr feucht, sondern gefroren. Die Straßen sind komplett vereist und beim Bremsen benötigen wir etwas mehr Zeit bis zum tatsächlichen Stillstand. Wir entdecken am Straßenrand ein verlassenes Haus das von einem norwegischen Künstler namens Pøbel verschöner wurde. Eigentlich auch ein schöner Platz für die Nacht, aber bei dem starken Wind könnten sich vielleicht Teile vom Dach lösen.

verlassenes Haus mit Streetart

Unser Trinkwasservorrat (320 l) neigt sich langsam dem Ende und leider ist es schwierig den Tank aufzufüllen, weil ja alles geschlossen ist. Ein bisschen würden wir noch damit auskommen, aber als wir an einem Reiterhof in Hov vorbeifahren, sehen wir, dass dort Betrieb ist und eigentlich auch ein schön gelegener Campingplatz. Also fragen wir einfach mal nach und können dort stehenbleiben und unseren Vorrat auffüllen. Außerdem gibt es dort einen beheizten Container mit Duschen und Toiletten. Und vor allem endlich WLAN. Nur die Saune mit Meerblick ist leider nicht in Betrieb.

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