Mit dem Wohnmobil nach Georgien

Als wir im Juni (2022) in Norddeutschland gestartet sind, war unser Ziel Georgien. Wir wussten noch nicht, dass wir noch 120 Tage bis dahin brauchen werden. Wir haben uns für den Landweg über Kroatien, Serbien, Bulgarien und die Türkei entscheiden. Einen Bericht über die Strecke findet ihr in dem Artikel „Die Grenzübertritte auf unserem Weg in die Türkei“ und über unsere Erfahrungen und Erlebnisse in den einzelnen Ländern unter „Unterwegs“.

Endlich angekommen hat uns Georgien von Anfang an begeistert. Schon in Batumi hatten wir einen atemberaubenden Blick auf den Großen Kaukasus. Gerade die Bergregionen, die hier ja fast überall sind, weil fast 90 Prozent des Landes aus Bergen (Gebirge und Vorgebirge) besteht, haben uns gefangen genommen. Wir können gar nicht sagen, ob es die Region um Mestia und Ushguli oder Shatili sind, die uns am besten gefallen haben. Irgendwie war es überall so schön. Aber auch die Region am Meer und der Vashlovani Nationalpark ganz im Osten des Landes haben ihren unvergleichbaren Charme. Hier kann also jeder etwas für sich entdecken. In den wenigen großen Städten kann man auch ein entspanntes Nightlife erleben oder bei Weinverkostungen an der „Wine-Route“ den traditionellen georgischen Wein entdecken. Außerdem ist es gerade für Camper ein fantastisches Land für Reisen mit dem eigenen Fahrzeug, weil das wilde Campen hier erlaubt ist. Die Berichte über unsere Erlebnisse findet ihr in unserem Blog unter „Unterwegs – Georgien“ oder bei YouTube in unserer „Georgien-Playlist“.

Was ihr bei der Reise nach Georgien beachten solltet und ein paar Tipps für den Aufenthalt wollen wir in diesem Artikel aufzeigen.

Das solltest du wissen

In den letzten Jahren haben wir alle mitbekommen, wie schnell sich die Situation an den Grenzen oder in Ländern ändern kann, deshalb solltet ihr euch auf jeden Fall kurzfristig darüber informieren. Wir sind im Zeitraum von Ende September bis Ende November 2022 in Georgien gewesen und können nur über unsere Erfahrungen berichten. Das Auswärtige Amt und auch die georgische Regierung stellen auf ihren Internetseiten aktuelle Informationen zur Verfügung.

Wir haben den Artikel ein bisschen eingeteilt:

Wie kommt man nach Georgien

Es gibt viele Wege, die nach Georgien führen. Allein über den Landweg gibt es einige Routen. Wir haben über viele Davon nachgedacht:

> Von der Schweiz aus (oder auch Österreich) weiter nach Italien. Von dort aus mit der Fähre nach Griechenland (Igoumenitsa) und dann über den Landweg in die Türkei und am Schwarzem Meer entlang.

> Von Italien aus die Adria-Küste runter und in Griechenland nach Osten.

> Nach Burgas in Bulgarien und mit der Fähre nach Georgien.

Wir haben uns dann für eine Route über Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien und dann durch den Norden der Türkei am Schwarzen Meer entlang entschieden. Gerade durch die Balkanländer bieten sich viele verschiedene Routen an, aber auch dort kann man viel Zeit verbringen, weil es viel zu entdecken gibt.

Mit der Fähre nach Georgien

Um etwas Zeit zu gewinnen, haben wir überlegt die Fähre von Venedig (Italien) nach Igoumenitsa (Griechenland) zu nehmen. Bei dem Versuch diese zu buchen, haben wir aber feststellen müssen, dass diese für fast 2 Monate ausgebucht ist. Also hier sollte man auf jeden Fall rechtzeitig buchen.

Quelle: rome2rio.com - Odessa / Chernomorsk nach Poti (2 Tage)

Quelle: rome2rio.com - Odessa / Chernomorsk nach Poti (2 Tage)

Direkt nach Georgien kann man jedoch nur von Burgas (Bulgarien) oder Odessa / Chernomorsk (Ukraine) mit der Fähre fahre. Derzeit ist die Situation im Schwarzen Meer allerdings sehr angespannt. Die Fährverbindung von Odessa wurde vorläufig eingestellt.

Die Fähre von Bulgarien nach Georgien soll ein sehr abenteuerlich sein. Man ist fast 3 Tage (2 Tage und 10 Stunden) auf dem Schwarzen Meer unterwegs, aber spart sich die Fahrt durch den Norden der Türkei. Die Entfernungen sind dort nicht zu unterschätzen, denn es sind knapp 2.000 Kilometer. Der Komfort auf der Fähre soll allerdings nicht auf Reisende eingestellt sein.

Quelle: rome2rio.com - Fährverbindung Burgas – Batumi (2 Tage 10 Stunden)

Quelle: rome2rio.com - Fährverbindung Burgas – Batumi (2 Tage 10 Stunden)

Wenn ihr diese Fähre genutzt habt, würde uns sehr interessieren, welche Erfahrungen ihr gemacht habt. Schreibt es gerne in die Kommentare.

Der Landweg – die Weiten der Nordtürkei

Wenn ihr mit dem Camper nach Georgien fahrt und euch für den Landweg entscheidet, solltet ihr auf jeden Fall Zeit haben oder ein schnelleres Fahrzeug. Mit unserer maximalen Reisegeschwindigkeit von 70 km/h sind wir recht langsam unterwegs und brauchen für solche Strecken sehr lange. Je nachdem welche Strecken und Straßen ihr nutzt, seid ihr entsprechend lange unterwegs. So sind die Straßenverhältnisse in Bulgarien nicht die besten und selbst einige mautpflichtige Straßen lassen keine höheren Geschwindigkeiten zu. In der Türkei hingegen ist das Straßennetz sehr gut ausgebaut und ihr kommt gut voran, allerdings sind die Entfernungen hier wirklich weit. Die 2.000 Kilometer an der Küste des Schwarzen Meeres entlang können sich ganz schön ziehen.

Jede Strecke hat seine Eigenheiten. Das nächste Mal würden wir uns wahrscheinlich wieder für den Landweg, aber für einen anderen entscheiden. Das aber nicht, weil uns irgendetwas gestört oder nicht gefallen hat, sondern nur weil wir andere Ecken sehen möchten.

Die Entscheidung für eine Route kann euch keiner abnehmen, aber schaut euch gerne unsere Reiseberichte zu unserer Route an. Vielleicht hilft es euch bei der Entscheidung:

Grenzübergang zwischen Türkei und Georgien

Zwischen der Türkei und Georgien gibt es ein paar Grenzübergänge. Für die Ein- und Ausreise haben wir jeweils unterschiedliche Übergänge genutzt.

Für die Einreise haben wir den Grenzübergang Sarp Sınır Kapısı in der Nähe von Batumi genutzt. Dieser liegt direkt am Schwarzen Meer und war deshalb für uns perfekt gelegen. Liest man die Rezessionen, möchte man diesen Grenzübergang am liebsten meiden. Unsere Erfahrungen sind zwar nicht so schlimm, wie einige der Berichte, aber trotzdem waren wir froh es endlich geschafft zu haben. Es fing damit an, dass wir direkt getrennt wurden. Beifahrer und weitere Personen im Fahrzeug müssen hier einen anderen Grenzübergang nutzen und die Fahrzeuge werden dann durchgeleitet. Das gilt aber nicht für alle. Warum das so ist, konnte uns bisher niemand sagen. In dem Terminal für die Fußgänger waren die Aus- & Einreisemodalitäten schnell erledigt und man war in Georgien. Doch bei den Fahrzeugen gestaltete sich das alles etwas schwieriger. Erst wurden alle in einer Reihe durch die Kontrollen geführt, dann wieder aufgeteilt und dann umsortiert. Es war etwas chaotisch und hat auch zu Konflikten zwischen den wartenden Fahrzeugführer geführt. Die Kontrollen selbst waren wieder schnell erledigt. Passkontrolle und die Prüfung der Fahrzeugpapiere. Der Zoll hat kurz ins Fahrzeug geschaut.

Nach etwa 2 Stunden war alles erledigt, allerdings musste ich (Andrea) die meiste Zeit alleine in Georgien warten, bis Peppi und Christopher endlich auch da waren.

Auch deshalb, und weil wir weiter in Richtung Süden wollten, haben wir uns bei der Ausreise für den Grenzübergang Vale entschieden. Auf der georgischen Seite ging es sehr schnell und die Kontrolle unserer Pässe und Papiere war schnell erledigt. Nach 5 Minuten hatten wir unsere Ausreisestempel und konnten weiter.

Leider wussten wir nicht wie es hier weiter gehen soll, denn auf der türkischen Seite kamen wir in eine große Baustelle. Es gab keine Beschilderung und einige LKW standen an der Seite mit geöffneten Hecktüren. Wir sind langsam weitergefahren, um zu schauen, wo denn der Kontrollposten ist. Dann kam aber schon eine sehr aufgeregte Frau zu uns gelaufen und hat uns mit sehr düsterer Miene angeschrien. Wir haben leider nichts verstanden und sie konnte wohl auch kein Englisch, aber sie hat gezeigt, dass wir zurückfahren müssen. Als wir das dann gemacht haben, kam einer der LKW-Fahrer zu uns und klärte uns auf. In einem kleinen Baucontainer findet die Kontrolle statt. Von außen kann man das leider nicht erkennen und weil ein LKW davor stand, konnten wir noch nicht einmal den Baucontainer sehen. Wir gehen also mit dem LKW-Fahrer mit. In den Baucontainer ist gerade alles sehr einfach eingerichtet. Ein Beamter hat die Passkontrolle gemacht und uns die Einreisestempel gestempelt. Die Frau, die uns angeschrien hat, gibt uns nur einen Zettel. Darauf sollen wir eintragen wieviel Liter Diesel wir dabei haben und dann müssen wir das Fahrzeug noch anmelden. Hier fragen wir dann nach einer Verlängerung der 30 Tage Aufenthalt des Fahrzeuges angepasst an unsere Aufenthaltsdauer und bekommen zusätzlich einen Stempel. Nach noch ein paar kleineren Verzögerungen sind wir hier aber nach weniger als einer Stunde fertig.

Beide Grenzübertritte sind an sich ganz gut verlaufen, auch wenn es immer wieder längere Wartezeiten gab. Deshalb planen wir für einen solchen Tag nichts weiter ein und versuchen möglichst entspannt zu bleiben.

Einreisebestimmungen

Eine Einreise nach Georgien als deutscher Staatsbürger relativ unkompliziert. Ihr solltet die entsprechenden Ausweisdokumente und bei der Einreise mit dem Fahrzeug euren Führerschein und Fahrzeugschein vorzeigen können.

Reisedokumente / Ausweis: Generell ist eine Einreise mit einem Reisepass zu empfehlen. Es besteht auch die Möglichkeit mit einem Personalausweis einzureisen, aber es soll dann vereinzelt zu Problemen kommen. Eure Reisedokumente, egal ob Reisepass, vorläufiger Reisepass oder Personalausweis, müssen zum Zeitpunkt der Einreise noch mindestens bis zum Zeitpunkt der Ausreise gültig sein. Das solltet ihr auf jeden Fall im Vorfeld prüfen.

Führerschein: Ein in der EU ausgestellter Führerschein bzw. der Internationale Führerschein werden anerkannt.

Fahrzeugpapiere

Einfuhrbestimmungen: Alle Zölle für die Einfuhr von Produkten aus der EU nach Georgien wurden aufgehoben. Allerdings ist die Menge für die Mitnahme von Zigaretten und Alkohol weiterhin beschränkt. Die aktuellen Mengen findet ihr auf der Seite des Auswärtigen Amtes bzw. der georgischen Regierung. Bzgl. der „Reiseapotheke“ sind die üblichen Mengen für den Eigenbedarf unproblematisch. Solltet ihr allerdings Schmerzmittel oder andere verschreibungspflichtige Medikamente mitführen, solltet ihr euch informieren, ob diese nach Georgien eingeführt werden dürfen.

Gerade in diesem Bereich haben wir gar keine Erfahrungen, weshalb wir uns über eure Berichte freuen würden. Schreibt uns gerne etwas in die Kommentare.

Aufenthaltsdauer für Personen und Fahrzeug

In Georgien unterscheidet sich die mögliche Aufenthaltsdauer für Personen von der für ein Fahrzeug ohne georgische Zulassung.

Ein Visum ist für deutsche Staatsangehörige zur Einreise und dem Aufenthalt von bis zu 360 Tagen nicht erforderlich.

Bei Einreise mit dem eigenen Fahrzeug nach Georgien gelten aber besondere Zollbestimmungen. Diese sehen eine maximale Dauer von 90 Tagen für das Kraftfahrzeug im Land vor. Es kann wohl ein Antrag auf Verlängerung gestellt werden, aber diese muss rechtzeitig beantrag werden, da die Bearbeitung anscheinend etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Wenn man aber in der Grenzregion unterwegs ist oder beispielsweise einen Ausflug nach Armenien plant, beginnen die 90 Tage erneut bei Weidereinreise. Ihr könnt also über die Grenze in die Türkei fahren, dort eine Nacht verbringen und dann zurück nach Georgien. Dann habt ihr wieder 90 weitere Tage Zeit das Land zu entdecken.

Versicherung für dein Fahrzeug

Für euer Fahrzeug besteht seit einiger Zeit die Pflicht zum Abschluss einer georgischen Haftpflichtversicherung. In der Regel decken die in Deutschland abgeschlossenen Versicherungen Georgien nicht ab. Und selbst wenn diese Georgien enthalten, muss eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen werden (so die Informationen auf den einschlägigen Seiten).

Die Versicherung könnt ihr direkt an einigen Grenzübergängen oder an den Service-Zentren, sowie online abschließen.

Wir haben diese direkt nach der Einreise am Grenzübergang bei Batumi abgeschlossen. Allerdings würden wir beim nächsten Mal diese online abschließen, weil vor Ort ein „Bearbeitungsaufschlag“ erhoben wird und auch ausschließlich Barzahlung möglich ist. Auf der Internetseite des Compulsory Insurance Center kann die Versicherung ganz unkompliziert abgeschlossen werden. Dabei müsst ihr nur beachten, dass ein Wohnmobil hier unter „Special Vehicle“ gezählt wird.

Die Zeiträume und Preise sind dort wie folgt angegeben:

15 Tage                                  25 Lari (9 Euro)

30 Tage                                  45 Lari (16 Euro)

3 Monate                               70 Lari (25 Euro)

1 Jahr                                      250 Lari (88 Euro)

Stand: November 2022

Wir haben an direkt an der Grenze 190 Lari (67 Euro) für 3 Monate bezahlt. Uns wurde erklärt, dass es aufgrund der Größe unseres Fahrzeuges einen Aufschlag gibt und wir ansonsten Probleme bekommen würden. Auf der Internetseite gibt es einen solchen Aufschlag nicht. Wahrscheinlich haben wir ein bisschen zu viel bezahlt.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Schreibt uns gerne.

Mobile Daten – die Netzabdeckung im Großen Kaukasus

Georgien ist das perfekte Land für digitale Nomaden. Das Land gehört nur zur Ländergruppe 3, aber das ist nicht weiter schlimm. Hier gibt es nämlich ein super ausgebautes Netz und die Tarife sind sehr günstig. Wir haben uns auch deshalb dazu entscheiden hier SIM-Karten von 2 unterschiedlichen Anbietern zu nutzen. So kann eine SIM-Karte im Router bleiben und die andere ist in einem Telefon und wir haben auch unterwegs Internet.

Der Anbieter mit der besten Netzabdeckung ist in Georgien Magti. Hier bekommen wir für umgerechnet 13,00 Euro für einen Monat unbegrenztes Datenvolumen. Das ist wirklich unschlagbar. Und wie versprochen haben wir überall sehr gutes Netz, außer im Vashlovani Nationalpark (dort ist gar kein Empfang). Leider war auch das Netz in großen Städten nicht ganz so gut, aber noch immer ausreichend. Das liegt wahrscheinlich an der Auslastung. In den Filialen sind die Mitarbeiter auf Touristen eingestellt und sprechen (so weit wir es mitbekommen haben) alle Englisch. Die Abwicklung war noch nicht mal 5 Minuten erledigt.

MagtiCom Georgien

MagtiCom Georgien

Beeline Georgien

Beeline Georgien

Als zweiten Anbieter haben wir uns für Beeline entschieden. Hier können wir 150 GB innerhalb von 4 Wochen nutzen und haben etwa 19,00 Euro bezahlt. Das Netz ist in Ordnung, aber in etwas abgelegeneren Regionen hatten wir kein Netz. Wir haben aber festgestellt, dass das Netz von Beeline in Städten deutlich besser funktioniert, als das von Magti. Deshalb sind wir ganz froh, beide Anbieter zu nutzen.

Reiseinformationen

Georgien ist der Schmelztiegel der Kulturen. Wir finden diese Formulierung sehr passend. Schon bei der Ankunft in Batumi konnten wir die Einflüsse in der Architektur der Gebäude, aber auch in den Menschen sehen. Wir haben an einem der ersten Abende zusammen mit Iraner, Russen, Ukrainer und Türken Tee getrunken und dabei über viele Dinge geredet. Dabei standen uns zeitweise die Tränen vor Freunde und der Trauer in den Augen.

Zu den vielen Sehenswürdigkeiten findet ihr ausführliche Berichte in unserem Reiseblog „Unterwegs – Georgien“ (derzeit noch in Arbeit – alles nach und nach)

Der Verkehr – doch etwas gewöhnungsbedürftig

Schon im Vorfeld haben wir von vielen Reisenden gehört, dass die Fahrweise in der Türkei sehr viel Aufmerksamkeit erfordert und in Georgien sogar noch mehr. Allerdings haben wir dies etwas anders empfunden. Das mag jedoch an der Größe bzw. Höhe unseres Fahrzeuges liegen, denn von oben haben wir eine gute Übersicht.

Die Straßenverhältnisse außerhalb der großen Hauptstrecken erfordern ein gewisses Maß an Abenteuerlust. Die vielen Schlaglöcher oder abgebrochenen Straßen können einem den Schweiß auf die Stirn treiben. Aber auch der Verkehr in den Städten ist nicht ohne, denn Verkehrsschilder sind hier meistens eher als Empfehlung zu betrachten. Es kann sein, dass man auf einer „normalen“ Straße von links und rechts gleichzeitig überholt wird. Der Gegenverkehr spielt häufig eine untergeordnete Rolle. Hier rechnet anscheinend jeder damit, dass die 3. Oder 4. Spur aufgemacht wird. Also nichts für schwache Nerven.

Wir scheinen aber schon sehr an diesen individuellen Fahrstil gewöhnt zu sein, denn wir passen uns den Locals an und tun es ihnen gleich. In den Städten arbeiten wir uns immer langsam vor und beobachten das Geschehen. Die Kommunikation mit den anderen Autofahrern wird durch Winken und Hupen bestimmt. Hier ist auch niemand böse, wenn man falsch gefahren ist und 500 Meter rückwärts fahren muss. Alle sind hilfsbereit und helfen beim Einweisen.

Kreuzpass (Dshwari-Pass) - Straße in Richtung Gudauri

Kreuzpass (Dshwari-Pass) - Straße in Richtung Gudauri

Kühe in Georgien

Kühe in Georgien

Unser persönliches Highlight sind die Fahrzeuge ohne Front- und Heckschürze. Auf den Strecken abseits der Hauptstraßen ist diese „Ausstattung“ durchaus von Vorteil, weil diese auf den hoppeligen Pisten sowieso verloren gehen könnten. Eigentlich alle Fahrzeuge haben hier 4×4, aber es ist trotzdem keine Grundvoraussetzung für eine Reise nach Georgien.

Gerade in abgelegenen Gebieten sollte man aber vorsichtig sein und sich genau überlegen, ob man diese Strecke fährt. Denn gerade im Herbst und Frühjahr können Straßen nach Regen oder Schmelze abbrechen und teilweise sind Gebiete dann nur noch mit Geländefahrzeugen erreicht werden.

Außerdem gibt es noch weitere Teilnehmer am Straßenverkehr. Die vielen Tiere, die hier auf den Straßen unterwegs sind, haben sich an Fahrzeuge gewöhnt und laufen meistens nicht erschreckt von der Fahrbahn, sondern setzen ihren Weg wie gewohnt fort. Wir waren zum Ende der Saison in Georgien und sind einige Male Herden geraten, die gerade ins Tal gebracht wurden. Dazu gibt es viele lustige Aufnahmen.

Zahlung – Währung und Kartenzahlung

Die Landeswährung in Georgien ist der Lari (GEL). In fast jedem Ort sind Geldautomaten zum Abheben von Bargeld (mit Kreditkarte) zu finden, aber man kann eigentlich in allen Supermarkten auch direkt mit Kreditkarte zahlen. Allerdings gilt dies nicht für Tankstellen. Da solltet ihr vor dem Tanken fragen, ob eine Kartenzahlung möglich ist.

Das Tauschen von Euro oder Dollar ist in den Grenzgebieten und natürlich auch in Tbilisi problemlos möglich. Uns ist aufgefallen, dass es immer häufiger Automaten zum Tauschen von Bitcoin und anderen Kryptowährungen gibt.

Innenpolitische Situation

Die Gebiete Südossetien und Abchasien sind autonome Gebiete und befinden sich nicht unter der Kontrolle der georgischen Regierung. In diesen Gebieten sind russische Truppen stationiert. Derzeit ist die Situation recht angespannt, weshalb man auf jeden Fall die aktuellen Nachrichten verfolgen sollte. Solltet ihr in eines dieser Gebiete fahren, kann dies zu einigen Problemen führen, da ihr dann als illegal ausgereist behandelt werdet.

Seit dem Krieg 2008 besteht an der Verwaltungsgrenze zu Südossetien sogar eine erhöhte Gefahr durch Minen und nicht explodierte Munition. Über die Entwicklung dieser Gebiete und die jetzige Situation gibt es einige Berichte, die an dieser Stelle aber etwas zu weit ausholen würden. Achtet in diesen Regionen auf jeden Fall auf Beschilderungen und ggf. Anweisungen der Polizei.

Campen in Georgien – Natur, Klima und Wildcampen

Nicht nur für digitale Nomaden, sondern auch für alle die, die gerne in der Natur und weit ab von allem sind, hat Georgien einiges zu bieten. In den Nationalparks kann man sich tagelang aufhalten, ohne dass man einen Menschen sieht. Obwohl das Land recht klein ist (flächenmäßig etwa so groß wie Bayern), ist es vielseitig und hat uns immer wieder zum Staunen gebracht.

Wildcampen mit dem Wohnmobil in Georgien

Zeltplatz Shatili

Zeltplatz Shatili

Das Wildcampen ist in Georgien grundsätzlich erlaubt. Man sollte sich aber auch hier nicht wie auf einem Campingplatz ausbreiten und ein wochenlanges Lager errichten. Es ist aber kein Problem die Markise auszufahren und draußen zu sitzen. Achtet bitte immer darauf, dass ihr den Locals nicht zu nah auf die Pelle rückt und respektiert es, wenn sie euch mal wegschicken.

Wir wurden immer herzlich willkommen geheißen und meistens noch zu einem Schnaps oder Wein eingeladen. Nehmt alles wieder mit, damit das Wildcamping auch in Zukunft legal bleibt und wir dieses Land so unbeschwert entdecken können.

Vashlovani Nationalpark

Vashlovani Nationalpark

In einigen Nationalparks muss man sich jedoch im Vorfeld registrieren und einen kleinen Obolus zahlen. Dieser hilft aber dabei den Nationalparkt zu erhalten, also trotzdem alles für die gute Sache.

Campingplätze gibt es in Georgien nicht wirklich. Wir standen in Batumi auf einem bewachten Parkplatz, der auch über ein Toilettenhäuschen verfügt und die Möglichkeit Wasser aufzufüllen. Einige Weingüter bieten zu einer Weinverkostung auch kostenloses Camping an. Dazu können wir nur sagen: „Das lohnt sich!“

Die Wiege des Weines und die Supra

Ibero Winery

Ibero Winery

Bevor wir nach Georgien gefahren sind, wussten wir nicht, dass der Wein aus Georgien kommt. Hier hat der Weinanbau eine lange Tradition, die über 8.000 Jahre zurückreicht. Mittlerweile werden aber nicht nur die traditionellen einheimischen Rebsorten angebaut, sondern auch einige internationale Standardsorten. Die Herstellung des traditionell georgischen Weines ist etwas ganz besonderes, da hier die ganze Traube (mit den Schalen, Kernen und Stängeln) genutzt wird und in Amphoren (Quevri) unter der Erde gären. Der Weißwein hat auch deshalb einen Orangeton und ist leicht trüb. Der Geschmack ist ebenfalls etwas anders. Das müsst ihr dann aber selbst ausprobieren.

Die Maischereste werden nach dem Abpressen meistens noch ein zweites Mal verwertet und für die Produktion von Chacha genutzt. Auch hier gibt es einige verschiedene Sorten.

Die georgische Küche hat eine wichtige Bedeutung in der georgischen Gesellschaft, was bei einer Supra deutlich wird. Wir sind durch Zufall dazu gekommen eine solche zu erleben. Es gibt einen Tischmeister (Tamada), der für die Trinksprüche sorgt und den Ablauf im Auge behält. Die Trinksprüche beziehen sich meistens auf Georgien, das Wohl der Familie und Freunde und auf die neuen Gäste. Wir haben auch gelernt, dass man zwar das Glas bei jedem Trinkspruch erhebt, aber nicht immer trinken muss, denn ein leeres Glas wird schnell nachgefüllt. Eine Supra dauert meist mehrere Stunden und dabei werden viele Speisen serviert. So etwas zu erleben ist eine wundervolle Erfahrung.

Tollwut

Leider ist Tollwut wohl noch ein Thema in Georgien. Auch wenn wir keine aggressiven Straßenhunde gesehen haben, kommt es wohl ab und zu zu einer Tollwutinfektion durch streunende Hunde. Generell sollte man sich bei aggressiven Tieren vorsichtig verhalten, aber das versteht sich ja von allein.

Wir haben eine Reisende getroffen, die in Georgien von einem tollwütigen Hund gebissen wurde und die entsprechenden Gegenmaßnahmen ergriffen werden mussten. Wir haben uns schon vor längerer Zeit dazu entschieden uns gegen Tollwut impfen zu lassen. Diese verhindert allerdings keine Infektion, sondern verlängert die Zeit zum Verabreichen der Medikamente. Weil wir in einige Länder wollen, die ggf. keinen Gegenimpfstoff haben und wir so mehr Zeit gewinnen würden, war es für uns eine gute Entscheidung. Beratungen zur Tollwutimpfung bekommt ihr bei euren Gesundheitsämtern.

An dieser Stell müssen wir aber unbedingt betonen, dass wir in Georgien viele Hunde auf unserem Weg getroffen haben, die uns den Tag noch etwas schöner gemacht haben. Sie waren freundlich und in keinster Weise aggressiv.

Unser Begleiter Togo

Unser Begleiter Togo

Natur und Klima

Durch die abwechslungsreiche Landschaft gibt es in Georgien kein einheitliches Klima. Am Schwarzen Meer ist es warm und subtropisch-feucht und im Osten trocken und gemäßigt.

In den Bergregionen kann es zu bestimmten Jahreszeiten zu Überschwemmungen und Erdrutschen kommen. Dadurch können Straßen blockiert und einige Regionen zeitweise n von der Außenwelt abgeschnitten sein. Deshalb solltet ihr euch immer informieren, wie das Wetter in den nächsten Tagen sein soll, bevor ihr über einen Pass in eine Schlucht fahrt.

Durch die unterschiedlichen Klimazonen ist die Artenvielfalt in Georgien sehr ausgeprägt. Im Vashlovani Nationalpark gibt es Gazellen, Schakale und Streifenhyänen. Aber auch Bären uns Wölfe gibt es in den vielen Wäldern und Bergen Georgiens.

Das Land hat sehr viel zu bieten und zu entdecken. Mittlerweile sind viele Wanderwege touristisch erschlossen und Passstraßen mit etwas Geduld befahrbar.

Unser Fazit

Wir haben uns von Anfang an sehr wohlgefühlt und wurden überwältigt von der wunderschönen Natur und der Gastfreundlichkeit der Menschen. Auch wenn in den abgelegenen Regionen nicht mehr viel Englisch gesprochen wird, sind dort alle bereit sich mit Hand und Fuß zu verständigen. Zur Not muss einfach mal ein Chacha her und dann klappt das mit der Kommunikation etwas leichter.

Die Fahrweise und die Straßenverhältnisse sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber hier darf man sich einfach nicht aus der Ruhe bringen lassen. Viele Straßen sind in einem schlechten Zustand, aber trotzdem auch ohne 4×4 befahrbar. Dazu sollte man sein Fahrzeug und die Bodenfreiheit aber gut einschätzen können.

Die Verpflegung mit Lebensmitteln ist in einigen Regionen schwieriger, weil es kaum Märkte oder Supermärkte gibt. Hier versorgen sich die meisten Menschen selbst. Obst und Gemüse an den Ständen an der Straße oder den Märkten ist in den meisten Fällen besser und vielseitiger als in den Supermärkten (und auch günstiger). Das typisch georgische Brot bekommt man überall, auch wenn es regionale Unterschiede gibt. Ein frisches Brot, nach traditioneller Art gemacht, sollte jeder gegessen haben. Einfach lecker.

Der Abschied aus Georgien ist uns sehr schwer gefallen und wir haben uns vorgenommen, dass wir wiederkommen. Es gibt so Vieles, das wir nicht gesehen haben. Die Reiseberichte über das was wir gesehen und erlebt haben, findet ihr unter „Unterwegs – Georgien“.

Morgens am Fluss - Weg nach Shatili

Morgens am Fluss - Weg nach Shatili

4 Comments

  1. Sven (groggi78) 25. Dezember 2022 at 9:34 - Reply

    Vielen Dank. Top Infos und spannend! Schwarzmeer-Tour mit Georgien steht ziemlich oben auf der Bucket-List 😉
    Liebe Grüsse aus Sizilien (home-based am Vierwaldstättersee 🇨🇭)

    • Andrea 25. Dezember 2022 at 19:04 - Reply

      Die Route lohnt sich auf jeden Fall. Wir sind allerdings recht schnell durch die Türkei gefahren. Da würden wir uns wahrscheinlich beim nächsten Mal mehr Zeit nehmen.
      Viele Grüße
      (der Vierwaldstättersee ist aber auch sehr schön)

  2. Matthias Ernst 29. November 2022 at 8:57 - Reply

    Danke für den informativen Blog!

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